Zu sehen ist das Logo von Amazon auf einem Gebäude. In dem Artikel geht es um alle Dinge, die Amazon schlecht machen.

Amazon ist berüchtigt für schlechte Arbeitsbedingungen, Ausbeutung und Kontrolle. Wir sammeln die wichtigsten Meldungen zum Konzern.

Foto: Yender Gonzalez für Unsplash

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  Redaktion

/ 2. Juni 2021

Kaum eine Woche vergeht, ohne eine neue Meldung zu den schlimmen Arbeitsbedingungen beim US-Konzern Amazon. Es ist schwierig, da den Überblick zu behalten. Deswegen fangen wir an, alle Übeltaten des Online-Riesen ab Juni 2021 hier zu sammeln. Die bestimmt unvollständige Liste der Schweinereien:

Wer in den Lagern von Amazon in den USA arbeitet, verletzt sich häufiger ernsthaft als in anderen Lagern. Die Verletzungsrate ist bei Amazon um 80 Prozent höher als anderswo, zeigt eine neue Untersuchung von Daten aus vier Jahren.

Nicht nur das, die LagerarbeiterInnen fielen auch durchschnittlich lang aus. Auch im Vergleich mit dem größten US-Konkurrenten Walmart verletzten sich Amazon-ArbeiterInnen doppelt so oft.

Die Zahlen zeigen, dass die Verletzungsgefahr steigt, je näher das Paket an die EmpfängerInnen kommt. Das deutet darauf hin, dass vor allem der Druck besonders schnell zu liefern zu Verletzungen führt.

2020 gab es weniger Verletzungen als in den Jahren davor. Das lag wahrscheinlich daran, dass Amazon in diesem Jahr zwischendurch das genaue Tracking der MitarbeiterInnen ausgesetzt hat. Mittlerweile werden Pausen und Produktivität in Amazon-Lagern wieder genau gemessen.

Amazon schickt überlastete Belegschaft in den "Horrorschrank

Amazon sorgt mit einem Raum für Kritik, in dem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter psychische Belastungen "abbauen" sollen. Die Box sieht aus wie eine Telefonzelle oder ein mobiles Klo. Darin: Einige Topfpflanzen und ein Computer über den "eine Bibliothek mit psychischen Gesundheits- und Achtsamkeitsübungen" abgerufen werden kann. Amazon nennt es "ZenBooth" und "Amazen". Kommentatoren nennen es wahlweise "Verzweiflungszelle" oder "Horrorschrank". Nach Kritik löschte Amazon einen Tweet mit einem Video, in dem die Box vorgestellt wurde. Doch einmal in der Welt, lässt es sich schwer wieder einfangen.

Amazon bekämpft Gründung von Betriebsrat

Amazon kämpft mit harten Bandagen, sobald MitarbeiterInnen versuchen, sich gewerkschaftlich zu organisieren. In einem Lagerhaus des Online-Giganten im US-Bundesstaat Alabama stimmten die MitarbeiterInnen nun darüber ab, ob sie der landesweit erste Amazon-Standort mit gewerkschaftlicher Vertretung werden.

Der Konzern wehrte sich und ließ sich das einiges kosten: Er engagierte um 3.200 Dollar Honorar pro Tag (plus Spesen) einen Berater, der darauf spezialisiert ist, Unternehmen gewerkschaftsfrei zu halten. Amazon forderte MitarbeiterInnen auf, an Schulungen teilzunehmen, in denen über die angeblichen Gefahren von Gewerkschaften gesprochen wurde. Das Unternehmen schickte Massenmails an die MitarbeiterInnen. Darin wurden sie gewarnt, für die Gewerkschaft zu stimmen. Bei Facebook bekamen sie Anzeigen zu sehen, die dafür warben, mit Nein zu stimmen. Offenbar mit Erfolg: Nach Auszählung von rund der Hälfte der 5.800 Stimmen lehnten rund zwei Drittel der Belegschaft es ab, eine Gewerkschaft zu gründen.

Amazon ist der große Gewinner der Corona-Krise. Die Aktien steigen, die Paketzahlen auch. Schön für Jeff Bezos und die AktionärInnen. Schlecht für MitarbeiterInnen und die Umwelt.

Wie sind die Arbeitsbedingungen bei Amazon in Österreich?

12-Stunden-Arbeitstage, unbezahlte Überstunden, totale Überwachung und sogar ein Bestrafungssystem: Paket-Lieferanten und Lager-ArbeiterInnen von Amazon haben MOMENT von schlechten Arbeitsbedingungen berichtet.

In der Regel sind Paket-LieferantInnen nicht direkt bei Amazon angestellt, sondern bei Sub-Unternehmen. Dort sind die Arbeitsbedingungen oft schlecht: Die vielen ungesetzlichen Überstunden werden nicht ausbezahlt, auch Zeitausgleich gibt es nicht.

Für Paket-LieferantInnen beginnt der Tag um fünf in der Früh, denn um sechs trudelt die LKW-Kolonne in den Amazon-Logistikzentren zur Beladung ein. In Wien und Umgebung gibt es derzeit zwei, in Großebersdorf und Liesing. Dann erhalten die FahrerInnen eine Lieferroute, die via GPS genau verfolgt wird. 

130 bis 150 Pakete müssen in der Regel am Tag ausgeliefert werden - in der Weihnachtszeit sind es jedoch deutlich mehr.

Auch in den Amazon-Lagern sind nur wenige MitarbeiterInnen direkt bei dem Internet-Riesen angestellt. Viele ArbeiterInnen werden über Leihfirmen geholt. LeiharbeiterInnen sollten in der Regel nur in Spitzenzeiten zuarbeiten. Die Gewerkschaft fordert deshalb nun eine gesetzliche Beschränkung der Anzahl von LeiharbeiterInnen pro Unternehmen - damit hier nicht weiter Missbrauch betrieben werden kann.

Das Musikhören bei der Arbeit ist verboten. Das Mitbringen von persönlichen Gegenständen wie dem Handy ist untersagt. Auch Kaugummi ist tabu. Die Arbeit ist monoton, der Druck jedoch groß. Mittels Scanner müssen MitarbeiterInnen jeden Arbeitsschritt dokumentieren. 

Zwei (Ex)-Mitarbeiter haben mit uns darüber gesprochen, wie die Arbeit bei Amazon in Österreich ist. Hier liest du die ganze Geschichte.

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