Zu sehen ist das Logo von Amazon auf einem Gebäude. In dem Artikel geht es um alle Dinge, die Amazon schlecht machen.

Amazon ist berüchtigt für schlechte Arbeitsbedingungen, Ausbeutung und Kontrolle. Wir sammeln die wichtigsten Meldungen zum Konzern.

Foto: Yender Gonzalez für Unsplash

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  Redaktion

/ 22. Juni 2021

Amazon bestraft seine Lieferant:innen für sicheres Fahren

Stell dir vor, du fährst mit deinem Dienstauto, wirst geschnitten und musst bremsen. Eine Roboter-Stimme ermahnt dich deswegen, gefälligst auf den notwendigen Abstand zu achten. Nicht nur das: Du bekommst deswegen eine schlechte Bewertung und bekommst weniger Geld. 

Das klingt absurd? Für viele Amazon-Fahrer:innen in den USA ist das die Realität. Dort hat das Unternehmen mehr als die Hälfte seiner Lieferwägen mit “intelligenten” Kameras ausgerüstet. Diese überwachen die Fahrer:innen und registrieren bestimmte Ereignisse, die sie als gefährlich einstufen. Die Ereignisse werden gesammelt und in ein System hochgeladen, das die Fahrer:innen automatisch bewertet. Je nach Bewertung bekommen diese am Ende der Woche Bonuszahlungen oder Preise. 

Fahrer:innen beschreiben, wie sie selbst für sicheres Fahren oder Ereignisse, für die sie gar nichts können, bestraft werden. Etwa wenn sie abbremsen müssen, um nicht geschnitten zu werden. Manchmal registrieren die Kameras auch einen Blick in Seiten- oder Rückspiegel als Ereignis, weil sie glauben dass Fahrer:innen abgelenkt sind. Auch den Radiosender zu ändern reicht teilweise für eine Meldung aus. 

Die Lieferant:innen haben keine Möglichkeit, gegen diese Meldungen zu protestieren oder nachzusehen, was eigentlich gemeldet wurde. Aber Amazon profitiert davon, weil sie weniger zahlen müssen. Und ohne Bonuszahlungen können viele Fahrer:innen kaum überleben.
 

Amazon zerstört in einer Woche 130.000 Produkte in einer ihrer Lagerhallen

Der britische Sender ITV News hat in einer investigativen Recherche herausgefunden, wie viele völlig einwandfreie Waren durch Amazon in Großbritannien vernichtet werden. Aufnahmen des Senders, die heimlich gemacht wurden, zeigen das Ausmaß der Zerstörung in nur einem der 24 Verpackungslager. In einem internen Dokument, das ebenfalls an den Sender geleakt wurde, wird die Zahl der zerstörten Artikel festgehalten: 124.332 waren es in einer Woche im April. 28.000 Produkte waren als Spende vorgesehen.
 
Ein Grund dafür ist, dass viele Unternehmen in diesen Lagerhäusern ihre Waren lagern. Doch je länger die Waren dort unverkauft bleiben, desto teurer wird die Lagerung. So ist es für die Unternehmen irgendwann billiger, die Waren einfach zerstören zu lassen, als weiterhin die Lagergebühren zu bezahlen. 
 
Wie ein ehemaliger Angestellter betont, ist es dabei völlig egal, welche Produkte das sind. Er habe sowohl Laptops, iPads oder Staubsaugerroboter entsorgt, ein Mal seien auch 20.000 unverpackte Gesichtsmasken dabei gewesen. Rund die Hälfte war ungebraucht, der Rest waren Rücksendungen. In einigen Wochen wurden dort sogar mehr als 200.000 Produkte vernichtet. 
 
Laut Amazon werden die meisten der Produkte zwar recycelt, doch ITV konnte auch viele Lieferungen an Mülldeponien filmen. Dass Amazon trotz aller Beteuerungen so vorgeht, war jedoch auch vorher schon bekannt. Ein französischer Fernsehsender berichtete etwa bereits 2019 darüber, dass Amazon in Frankreich mehr als drei Millionen Produkte im Jahr zerstört.

Amazon unterschlägt Trinkgeld von PaketbotInnen

Der US-Konzern Amazon muss der amerikanischen Handelsbehörde 61.7 Mio. Dollar zahlen. Der Grund: Amazon hat den PaketbotInnen von Amazon Flex Trinkgelder unterschlagen. Zwischen 2016 und 2019 ist nur ein Teil des Trinkgelds tatsächlich bei den BotInnen angekommen. Über diese Regelung wurden aber weder FahrerInnen noch KundInnen informiert. PaketbotInnen bei Amazon haben keine feste Anstellung, sondern werden von Auftrag zu Auftrag beschäftigt. Sie haben also keine Sozialversicherung und das Risiko für den Auftrag liegt ganz ihnen. Mit einem Stundensatz von 18-25€ und vollem Anspruch auf das Trinkgeld wurde der Job Interessierten schmackhaft gemacht – die Realität sah aber für viele BotInnen anders aus.

Wer in den Lagern von Amazon in den USA arbeitet, verletzt sich häufiger ernsthaft als in anderen Lagern. Die Verletzungsrate ist bei Amazon um 80 Prozent höher als anderswo, zeigt eine neue Untersuchung von Daten aus vier Jahren.

Nicht nur das, die LagerarbeiterInnen fielen auch durchschnittlich lang aus. Auch im Vergleich mit dem größten US-Konkurrenten Walmart verletzten sich Amazon-ArbeiterInnen doppelt so oft.

Die Zahlen zeigen, dass die Verletzungsgefahr steigt, je näher das Paket an die EmpfängerInnen kommt. Das deutet darauf hin, dass vor allem der Druck besonders schnell zu liefern zu Verletzungen führt.

2020 gab es weniger Verletzungen als in den Jahren davor. Das lag wahrscheinlich daran, dass Amazon in diesem Jahr zwischendurch das genaue Tracking der MitarbeiterInnen ausgesetzt hat. Mittlerweile werden Pausen und Produktivität in Amazon-Lagern wieder genau gemessen.

Amazon schickt überlastete Belegschaft in den "Horrorschrank

Amazon sorgt mit einem Raum für Kritik, in dem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter psychische Belastungen "abbauen" sollen. Die Box sieht aus wie eine Telefonzelle oder ein mobiles Klo. Darin: Einige Topfpflanzen und ein Computer über den "eine Bibliothek mit psychischen Gesundheits- und Achtsamkeitsübungen" abgerufen werden kann. Amazon nennt es "ZenBooth" und "Amazen". Kommentatoren nennen es wahlweise "Verzweiflungszelle" oder "Horrorschrank". Nach Kritik löschte Amazon einen Tweet mit einem Video, in dem die Box vorgestellt wurde. Doch einmal in der Welt, lässt es sich schwer wieder einfangen.

Amazon bekämpft Gründung von Betriebsrat

Amazon kämpft mit harten Bandagen, sobald MitarbeiterInnen versuchen, sich gewerkschaftlich zu organisieren. In einem Lagerhaus des Online-Giganten im US-Bundesstaat Alabama stimmten die MitarbeiterInnen nun darüber ab, ob sie der landesweit erste Amazon-Standort mit gewerkschaftlicher Vertretung werden.

Der Konzern wehrte sich und ließ sich das einiges kosten: Er engagierte um 3.200 Dollar Honorar pro Tag (plus Spesen) einen Berater, der darauf spezialisiert ist, Unternehmen gewerkschaftsfrei zu halten. Amazon forderte MitarbeiterInnen auf, an Schulungen teilzunehmen, in denen über die angeblichen Gefahren von Gewerkschaften gesprochen wurde. Das Unternehmen schickte Massenmails an die MitarbeiterInnen. Darin wurden sie gewarnt, für die Gewerkschaft zu stimmen. Bei Facebook bekamen sie Anzeigen zu sehen, die dafür warben, mit Nein zu stimmen. Offenbar mit Erfolg: Nach Auszählung von rund der Hälfte der 5.800 Stimmen lehnten rund zwei Drittel der Belegschaft es ab, eine Gewerkschaft zu gründen.

Amazon baut Lager in Slums, um Zölle zu umgehen

Amazon hat ein Lager in Tijuana errichtet. Neben einer Barackensiedlung steht eine riesige Halle des Online-Giganten. Der Gegensatz könnte kaum krasser sein. Menschen verdienen dort bei Subunternehmen beschäftigt gewohnt schlecht. Der Zweck des Lagerhauses ist es aber nicht, den Beschäftigten gute Arbeit zu geben. Es soll nicht einmal den mexikanischen Markt beliefern. Es geht darum, ein Schlupfloch in internationalen Handelsverträgen zu umgehen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse von Amazons Handelskette in den USA. Seit Ex-Präsident Donald Trump in seinem Handelskrieg mit China die Zölle für Einfuhren von dort in die USA erhöht hat, sind direkte Einfuhren teurer. Also zerlegt Amazon in Tijuana Waren und verpackt sie in Pakete, die weniger als 800 Dollar wert sind, damit sie zollfrei in die USA geschickt werden können. Dort werden sie wieder zusammengebaut. All das ist aufgrund der niedrigen Löhne offenbar immer noch billiger als Zölle zu zahlen. Mehr zu dieser Causa erfährst du hier.

Amazon ist der große Gewinner der Corona-Krise. Die Aktien steigen, die Paketzahlen auch. Schön für Jeff Bezos und die AktionärInnen. Schlecht für MitarbeiterInnen und die Umwelt.

Wie sind die Arbeitsbedingungen bei Amazon in Österreich?

12-Stunden-Arbeitstage, unbezahlte Überstunden, totale Überwachung und sogar ein Bestrafungssystem: Paket-Lieferanten und Lager-ArbeiterInnen von Amazon haben MOMENT von schlechten Arbeitsbedingungen berichtet.

In der Regel sind Paket-LieferantInnen nicht direkt bei Amazon angestellt, sondern bei Sub-Unternehmen. Dort sind die Arbeitsbedingungen oft schlecht: Die vielen ungesetzlichen Überstunden werden nicht ausbezahlt, auch Zeitausgleich gibt es nicht.

Für Paket-LieferantInnen beginnt der Tag um fünf in der Früh, denn um sechs trudelt die LKW-Kolonne in den Amazon-Logistikzentren zur Beladung ein. In Wien und Umgebung gibt es derzeit zwei, in Großebersdorf und Liesing. Dann erhalten die FahrerInnen eine Lieferroute, die via GPS genau verfolgt wird. 

130 bis 150 Pakete müssen in der Regel am Tag ausgeliefert werden - in der Weihnachtszeit sind es jedoch deutlich mehr.

Auch in den Amazon-Lagern sind nur wenige MitarbeiterInnen direkt bei dem Internet-Riesen angestellt. Viele ArbeiterInnen werden über Leihfirmen geholt. LeiharbeiterInnen sollten in der Regel nur in Spitzenzeiten zuarbeiten. Die Gewerkschaft fordert deshalb nun eine gesetzliche Beschränkung der Anzahl von LeiharbeiterInnen pro Unternehmen - damit hier nicht weiter Missbrauch betrieben werden kann.

Das Musikhören bei der Arbeit ist verboten. Das Mitbringen von persönlichen Gegenständen wie dem Handy ist untersagt. Auch Kaugummi ist tabu. Die Arbeit ist monoton, der Druck jedoch groß. Mittels Scanner müssen MitarbeiterInnen jeden Arbeitsschritt dokumentieren. 

Zwei (Ex)-Mitarbeiter haben mit uns darüber gesprochen, wie die Arbeit bei Amazon in Österreich ist. Hier liest du die ganze Geschichte.

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