Ein Rübenrüssler
Schädlinge wie der Rübenrüssler setzen der Landwirtschaft zu. Credit: AGES/Katharina Wechselberger
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/ 30. April 2020

Die österreichischen Wälder und Erntefelder sind von zahlreichen Schädlingen bedroht, die sich wegen dem warmen und trockenen Wetter rasend verbreiten. Deshalb gibt es Notfallzulassungen von bedenklichen Pflanzenschutzmitteln, da Landwirte keinen anderen Weg der Bekämpfung sehen. Das ist aber nicht die Lösung. Warum sich die Landwirtschaft stark ändern muss.

 

Der bekannte österreichische Volksschauspieler Hans Moser besang in einem berühmten Wienerlied seine Liebe zu Wein. Er schloss daraus, dass er bestimmt in einem früheren Leben eine Reblaus war und gern als eine solche wiedergeboren würde. Tatsächlich würde er derzeit als Wiedergeburt dieses Weintrauben-Schädlings optimale Bedingungen vorfinden. Aufgrund des Klimawandels verbreiten sich sämtliche Ungeziefer in Österreich rasant.

 

Zu warm und trocken: Optimale Bedingungen für Schädlinge durch Klimawandel

Besonders im Süden und im Osten Österreichs hat es seit Jahresbeginn in vielen Regionen weniger als halb so viel geregnet wie sonst im Durchschnitt. Stellenweise ist es um 50 bis 80 Prozent zu trocken, sagen ExpertInnen der ZAMG. Für die Pflanzen, die gerade auf den Feldern wachsen, ist das natürlich eine Katastrophe. 

Doch für Schädlinge sind diese Bedingungen geradezu optimal: Da bereits der Winter warm war, sind sämtliche Insektenbestände nicht erfroren (in der Regel überleben nur die Eier), sie verbreiten sich nun bei trockenem Wetter rasant weiter.

 

Um zu verstehen, wie dramatisch die Lage auf den Feldern werden könnte, wenn es nicht bald ausgiebig regnet, wollen wir dir hier die fünf problematischsten Schädlinge vorstellen.

 

Borkenkäfer

Die österreichischen Wälder leiden aufgrund des Borkenkäfers oder Buchdrucker seit Jahren enorm. Der Schwärmflug dieses Schädlings hat bereits voll eingesetzt - so früh wie noch nie. Die Bäume sind aufgrund der Trockenheit geschwächt und somit wird auch heuer mit einem starken Befall gerechnet. Am stärksten betroffen ist das Waldviertel. 

Bei den Bundesforsten läuft die Käferaufarbeitung bereits seit Wochen auf Hochtouren, alleine letztes Jahr wurden 5 Millionen Euro in die Prävention und Schutzmaßnahmen investiert. Kleinere Waldbauern können hier jedoch nicht so viel Geld bereitstellen. Die Klimaschäden im Wald betrugen 2019 etwa 41 Millionen Euro.

 

Drahtwurm

2018 waren viele geerntete Erdäpfel in Österreich unverkäuflich. Die Zahlen sind im Streit um den Sinn von Pestiziden umstritten. Die Interessensgemeinschaft Erdäpfelbau spricht von bis zu 70 Prozent, die Umweltschutzorganisation Global 2000 von bis zu 30 Prozent. Wenn es bei den Daten Unklarheit gibt, so nicht am Schuldigen: Dem Erdapfeldrahtwurm. Wenn es besonders trocken ist, befällt der Schädling nicht nur die Blätter, sondern auch die Knolle, weil er nur noch darin Wasser findet. Bei einem Blattbefall wächst der Erdapfel langsamer und wird kleiner, sitzt der Wurm jedoch in Knolle, so ist er für den Verzehr unbrauchbar. 

Im vergangenen Jahr hat nur der nasse Mai dafür gesorgt, dass sich das katastrophale Szenario von 2018 nicht wiederholt hat. Wenn es jetzt nicht auch irgendwann endlich regnet, könnte es dieses Jahr aber wieder schlimm werden. Hier geht es zum Drahtwurm-Monitoring.

Eine Erdapfel mit Drahtwurm-Befall

Ein Erdapfel mit Drahtwurm-Befall. Credit: AGES/Katharina Wechselberger

Rübenrüssler

Früher hat der Rübenrüssler sich einmal blicken lassen, Schaden angerichtet, und ist dann jahrzehntelang wieder verschwunden. Doch nun tritt er das dritte Jahr in Folge auf. Er frisst vor allem die Blätter der jungen Zuckerrüben - und manchmal binnen Stunden ganze Felder kahl. Laut Daten des Landwirtschaftsministeriums sind von 34.000 Hektar Zuckerrübenfläche bereits 1.100 Hektar befallen, betroffen sind vor allem das Burgenland und Niederösterreich. Die Saison hat aber erst angefangen.

Aufgrund der Rübenrüssler-Plage gab es einen Notfallerlass von Pflanzengiften, die eigentlich in der gesamten EU nur noch in geschlossenen Räumen verwendet werden dürfen, da sie auch für Bienen gefährlich sind. Gegen diesen Erlass liefen Umweltaktivisten wie Global 2000 Sturm.

Ein Rübenfeld

Trockenheit und Schädlinge setzen diesem Rübenfeld zu. Credit: AGES/Katharina Wechselberger

Erdfloh 

Klein aber oho. Der Winzling ist mit freiem Auge kaum zu erkennen, kann aber in Windeseile ganze Felder kahlfressen. Er mag vor allem Raps und Zuckerrüben und richtet im Keimblattstadium enormen Schaden an, da manche Pflänzchen dann gar nicht mehr gedeihen können. Wäre das Wetter jetzt feucht, so würden die Pflanzen schneller wachsen und wären dem Schädling nicht so massiv ausgeliefert. Darum ist die Trockenheit ein großes Problem.

Heuer wurde bereits ein teilweise starker Befall in Niederösterreich, Oberösterreich und dem Burgenland festgestellt. 

 

Blattlaus

Das Coronavirus der Pflanzen: Dieser Schädling kann auch Nanoviren übertragen, die Pflanzen kaputt machen. Sie befällt Getreide, aber auch Hülsenfrüchte wie Bohnen und Erbsen. Bei infizierten Pflanzen werden die Blätter gelb und klein, sie wachsen schlechter, die Früchte haben weniger Proteine. 

Blattläuse mit Nanoviren wurden heuer bereits im Marchfeld, aber auch bei Marchtrenk südlich von Linz und bei Gleisdorf östlich von Graz gefunden.
 

 

Was es daher dringend braucht:

 

  • Klimafitte Landwirtschaft: Die Landwirtschaft muss sich radikal ändern. Dessen sind sich alle Experten einig. Laut einer Studie der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) werden in den nächsten Jahrzehnten aufgrund des Klimawandels die Hauptanbaugebiete bis zu 50 Prozent der Produktion einbüßen! Vor allem das Marchfeld, die Kornkammer Österreichs, ist bedroht. Die Forschung zu klimafitten Sorten und Böden benötigt mehr Mittel. Die Umweltschutzorganisation Global 2000 plädiert für ein Wegkommen von Mono-Kulturen, mehr Mischanbau und Vegetationsstreifen, die Schatten spenden. Global 2000 richtet übrigens im Mai einen Online-Landwirtschaftskonkress aus. 

 

  • Klimaschutz: Aufgrund der Crona-Krise darf nicht beim Umweltschutz gespart werden. In Österreich wurden zum Beispiel im Sinne des Hochwasserschutzes viele Bäche und Flüsse verbaut, doch nun muss Wasser nicht nur schnell abfließen, sondern länger in der Landschaft bleiben. Es muss bei Regen und Hochwasser Platz haben und das Ufer überschwemmen dürfen - so bleibt es länger in der Landschaft und kann besser ins Grundwasser einsickern. Die Landwirtschaft wird in Trockenzeiten bewässern müssen und braucht diese Wasserspeicher dann dringend.

 

  • Pestizide sind keine Dauerlösung: Chemische Mittel im Einsatz gegen Schädlinge sind zwischen Umweltschutz-Organisationen und Landwirtschaft ein Spaltpilz. Landwirte und auch die österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) sind überzeugt, dass es ohne Pflanzenschutzmittel in der Landwirtschaft nicht gehen wird. Das Bundesamt für Ernährungssicherheit listet in seinem Register fast 40 aktuelle Notfallzulassungen von diversen Unkrautvernichtern, Pflanzenschutzmitel und Pestiziden. UmweltschützerInnen sehen das kritisch. Umweltchemiker Helmut Burtscher-Schaden von der Umweltschutzorganisation Global 2000 ist überzeugt, dass eine pestizidfreie Landwirtschaft möglich ist - und sogar nötig. Denn Pestizide töten nicht nur Schädlinge: “Beim Rübenrüssler haben wir das gesehen: Bei dem extremen Befall vor drei Jahren war er sehr unbeeindruckt von den Pestiziden, dafür hat das seine Konkurrenten erwischt. Somit hatte er erst recht ungestört ein Festmahl.” Unter den Opfern des Sprühmittel sind dafür auch nützliche Insekten wie die Bienen. Global 2000 fordert in der europäischen Bürgerinitiative “Bauern und Bienen retten” den Ausstieg aus Pestiziden in 15 Jahren.

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