Morgenmoment
/ 1. April 2022

Guten Morgen!

Nicht vergessen: Heute ist der 1. April. Es werden dich bestimmt einige in die Irre führen wollen. Manche machen es aber das ganze Jahr über, wie du aus dem heutigen Morgenmoment erfährst. Den hat diesmal Lukas Bayer geschrieben.

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#1 Möchtest du das teilen?

Mit April 2022 werden die Mieten teurer. Fast eine Million Menschen sind betroffen. Ärmere Haushalte, die sowieso einen großen Teil ihres Einkommens für Wohnen, Heizen und Essen ausgeben, trifft der neue Richtwert härter. Mieter:innen trifft die Teuerung sogar doppelt: bei den Energiepreisen und der Miete. Was dahinter steckt, erklärt dir Barbara Blaha in ihrer Videokolumne "Moment Mal".

#2 Hast du das gesehen?

Grün, Nachhaltig, Natürlich, Organisch, Umweltfreundlich, Naturnah - hinter den meisten dieser Begriffe steckt nichts als Marketing und Greenwashing. Aber sie sind überall zu lesen: auf Werbeanzeigen, im Supermarktregal und Online. Wir erklären dir deshalb der Reihe nach, was Greenwashing ist, welche Arten von Greenwashing es gibt und wie du sie schnell erkennst.

#3 In was für einer Welt leben wir eigentlich?

"Ich schätze, das ist wie eine ungewollte Schwangerschaft", scherzt die polnische pro-choice-Aktivistin Justyna Wydrzyńska. "Es war das erste Mal, dass ich ein Risiko einging, und schwupps: Ich bekam eine Anklage."

Wydrzyńska drohen nun bis zu drei Jahre Haft. Sie hat einer Polin abtreibungseinleitende Tabletten weitergegeben. Diese war in der 12. Woche schwanger und litt unter häuslicher Gewalt. Aber auch in solchen Fällen ist eine legale Abtreibung in Polen nicht möglich. Erlaubt sind nur Abtreibungen im Ausland oder Medikamente aus dem Ausland.

Medikamente werden meist mit Unterstützung der aktivistischen Gruppe Aborcyjny Dream Team (deutsch: "Adoptions Traum-Team"), zu der auch Wydrzyńska gehört, per Post verschickt. Über 34.000 Abbrüche wurden so bereits ermöglicht. Aufgrund der Corona-Lieferengpässe war es diesmal aber zu riskant. Deshalb gab Wydrzyńska der Frau Tabletten weiter, die sie bei sich Zuhause hatte. Die Gruppe hofft nun auf Spenden und mehr Aufmerksamkeit für die Situation in Polen. Dafür wurde auch eine Online-Kampagne unter dem Hashtag #IamJustyna eingerichtet.

Übrigens: Eine Erhebung der Vereinten Nationen zeigt, dass weltweit jede zweite Schwangerschaft ungewollt ist. Ein Abbruch ist aber oft mit vielen bürokratischen Hürden verbunden, kostspielig, rechtlich kompliziert oder ganz untersagt. Selbst dann, wenn die Gesundheit der Frau auf dem Spiel steht. Auch Frauen aus anderen europäischen Ländern müssen manchmal für einen Abbruch ins Ausland reisen.

#4 Meme des Tages

 

Heute ist der 1. April und wir bleiben Aprilscherz-frei. Du solltest überall sonst aber gerade heute bitte nicht alles glauben, was du hörst und siehst. Leider aber kein Scherz: Im April steigen die Richtwertmieten.

#5 Zu viel

Was macht man an der New Yorker Wall Street, wenn Pandemie ist? Richtig, man erhöht den Bonus der Investmentbanker:innen. 2021 war dieser so hoch wie seit 2006 nicht mehr: 230.000 Euro im Schnitt. Die Boni kommen auf die normalen Gehälter in der Brancheoben drauf - die sind im Schnitt nochmal etwa gleich hoch. Die explodierenden Boni liegen vor allem daran, dass die Wirtschaft nach dem ersten Schock der Corona-Krise wieder im Aufschwung war - und damit auch die Kurse an der Börse. Mit Leistung zu tun haben sie wenig.

Seit 1985 ist der durchschnittliche Wall-Street-Bonus um unfassbare 1.743 Prozent gestiegen. Das ist sechs mal stärker als der Mindestlohn. Wäre der Mindestlohn in den USA in diesem Maße gestiegen, so wäre er heute bei 55,45 Euro. Stattdessen liegt er umgerechnet bei mageren 6,51 Euro. 

Zum Vergleich: In Österreich liegt der Mindestlohn bei knapp 10 Euro brutto pro Stunde und ist in 98 Prozent der Fälle über einen Kollektivvertrag geregelt (USA: 10 %). In Deutschland wird der Mindestlohn übrigens im Herbst 2022 auf 12 Euro brutto pro Stunde angehoben. Das wäre auch für Österreich sinnvoll, wie das Momentum Institut zeigt: Vor allem in Berufen, die mehrheitlich Frauen ausüben, sind Einstiegsgehälter teils deutlich unter dem künftigen deutschen Mindestlohn. Ein Mindestlohn von 12 Euro brutto pro Stunde würde etwa das durchschnittliche Brutto-Einstiegsgehalt einer Frisörin in Österreich um 260 Euro pro Monat anheben, der Lohn einer Servicekraft würde um 207 Euro pro Monat steigen. Weit weg vom absurden Wall-Street-Stundenlohn, aber ein Schritt in die richtige Richtung.

Ich wünsche dir einen schönen Freitag!

Lukas

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