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Demokratie

Haltet den Dieb: Mit diesem Spin will die ÖVP von all ihren Skandalen ablenken

Wenn der ÖVP etwas vorgeworfen wird, zeigt sie schnell mit dem Finger auf andere. Natascha Strobl erklärt die "Haltet den Dieb"-Methode.

Wer kennt das nicht: Eine mehr als unangenehme, vielleicht sogar rechtlich relevante Aussage wird gefilmt oder mitgeschnitten und kommt an die Öffentlichkeit. 

Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: 

1. Sich peinlich berührt zu entschuldigen. 

Oder 2.: lauthals Ablenken – und sich als Opfer inszenieren. 

Zweiteres ist die Strategie der ÖVP. Egal ob bei Ibiza-Video, BurgerGate oder Pilnacek-Tonband.
 

„Silberstein“ und „KGB“!

Sebastian Kurz erinnerte das Ibiza-Video an Tal Silberstein, Karl Nehammer warf anderen vor, seine McDonalds-Aussagen zusammengeschnitten zu haben, ÖCP-Generalsekretär Christian Stocker eklärte die Tobandaufnahme von Christian Pilnacek für eine „KGB-Methode“.

Mit dieser Reaktion lenkt man die Schuld von jenen, denen ein Vorwurf gemacht wird, auf jene, die den Skandal ans Licht gebracht haben. Das ist die „Haltet den Dieb“-Methode.

Der Dieb raubt ein Geschäft aus, läuft nach draußen, zeigt auf eine Augenzeugin und schreit ganz laut „Haltet den Dieb!!“. Er lenkt von sich ab und tut also so, als wäre nicht er derjenige, der etwas Unrechtes getan hat. Womöglich diejenige, die auf das ausgeraubte Geschäft hingewiesen hat. 
 

Rechte Opfer

Diese Strategie bedeutet auch, dass man den Fokus verschiebt. Statt auf die Vorwürfe einzugehen, die ja in Bild und/oder Ton belegt sind, geht es plötzlich darum, wer das angefertigt hat. Als würde das etwas am Inhalt ändern. Über den will man nicht reden, weil der sehr unangenehm ist. Also tut man so, als wäre man das eigentliche Opfer der ganzen Causa.

Für den radikalisierten Konservatismus wie für die extreme Rechte ist es wichtig, sich immer als Opfer dunkler Mächte zu sehen, die einen stürzen wollen. Gibt es einen veritablen Skandal, dann kann man immer wieder behaupten, dass das alles eine Kampagne dieser gemeinen bösen Kräfte ist. Das grenzt am Verschwörungsdenken. 
 

ÖVP verschiebt den medialen Fokus

Praktisch ist es natürlich: So kann man sich als Outsider inszenieren, obwohl man eigentlich Bundeskanzler, Ministerin oder Präsident ist. Dann muss man keinen Fehler eingestehen und nicht zurücktreten. Personen, die offenkundig ungeeignet für ein Amt sind oder dieses für eine persönliche Vorteilsnahme nutzen, werden angeblich ungerechtfertigt gestürzt. 

Das führt auch dazu, dass medial der Fokus verloren geht, um was es wirklich geht: In Ibiza waren es die weinseligen Versprechen die Republik zu verkaufen, bei Nehammer war es eine Verhöhnung von armutsbetroffenen Familien und bei Sobotka wurde der Nationalratspräsident beschuldigt in Ermittlungen eingegriffen zu haben. 

Alles das sind aber politisch, moralisch oder sogar rechtlich relevante Diskussionen. In einer Demokratie wurde es gut tun, über Verantwortung und Ansehen des Amtes zu diskutieren. Das bedeutet aber auch, dass man die Opfer-Inszenierungen nicht glauben und mitmachen darf. 

Der Dieb ist eben nicht das Opfer, er muss gestellt werden.

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