Ryanair-Boss Michael O'Leary auf Sessel bei Diskussion. Er lehnt einen Mindestpreis für Flugtickets ab.

Ryanair-Boss Michael O'Leary lehnt einen Mindestpreis für Flugtickets ab. // Foto: World Travel & Tourism Council

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/ 30. September 2021

„Verrückt“ nennt es Ryanair-Boss Michael O’Leary, einen Mindestpreis für Flugtickets verlangen zu wollen - also subventionierte und begrenzte Lockangebote zu untersagen, deren Preis noch unter den verpflichtend fälligen Steuern und Abgaben für Flugtickets liegen. Verrückt könnte man auch Flugtickets für 14,99 Euro nennen – Preise fernab jeder Kostenwahrheit des Fliegens. Im Interview mit dem Standard bemüht O’Leary sogar den Umweltschutz, um sein Dumping zu verteidigen – das zu Lasten des Klimas und seiner Beschäftigten geht.

Was man „von dummen Politikern bekommt, die einen Mindestpreis einführen“, seien Flugzeuge, die halb voll sind. „Gar nicht gut für die Umwelt“, sagt O’Leary. Schwierige Argumentation, könnte man aber auch sagen. Denn ob ein Flugzeug nun voll oder halbleer von Wien nach London abhebt, ist - abgesehen vom geringeren Fluggewicht bei weniger Passagieren - für das Klima gleich schädlich.

Mindestpreis für Flugtickets? Natürlich nicht im Interesse von O'Leary

Ein Preis, bei dem zumindest alle Steuern und Abgaben bezahlt werden, soll ja dazu führen: weniger zu fliegen und lieber klimafreundliche Alternativen wie die Bahn zu nehmen. Statt zwei Flügen müsste dann nur noch einer abheben. Verständlicherweise ist das nicht im Interesse des Ryanair-Chefs.

Apropos Mindestpreis für Flugtickets: Was ist eigentlich aus dem geworden und wann soll er in Österreich eingeführt werden? Im Juni vergangenen Jahres wurde im Zuge der AUA-Rettung angekündigt, dass Tickets in Zukunft zumindest 40 Euro kosten sollen. Inzwischen hört man nicht mehr viel. Damals sagte Magnus Brunner, Staatssekretär im für Verkehr zuständigen Klimaschutzministerium: Man habe ein Konzept, dass „europarechtlich hält und im Herbst vielleicht schon umgesetzt werden kann“ – also im Herbst 2020.

Inzwischen ist es Herbst 2021. Im Februar forderte die EU-Kommission Österreich auf, die Pläne genauer zu erläutern. Denn ein EU-Gesetz garantiert Preisfreiheit in der Luftfahrt – ebenso wie das Kerosin für Flugzeuge noch immer europaweit von Steuern befreit ist. Damals sagte Brunner, man arbeite „an einer EU-konformen Lösung, die eine Weiterverrechnung der Summe an passagierbezogenen Steuern und Gebühren durch die Fluglinie an den Passagier vorsieht”. Bis heute gibt es die noch immer nicht.

In Österreich soll Mindestpreis fürs Fliegen 2022 kommen, vielleicht

„Das ist uns ein Anliegen“, beteuert Michael Ulrich, Sprecher im Ministerium jetzt gegenüber MOMENT. „Aktuell wird eine EU-rechtskonforme Regelung erarbeitet. Sie soll im nächsten Jahr kommen“, sagt er.

O’Learys Ryanair bekommt also offenbar noch etwas Zeit, mit Lockangeboten zu Lasten von Mitarbeiter:innen und klimafreundlicheren Reisealternativen nach der Coronakrise wieder abzuheben. Er erwartet, dass alle Fluglinien spätestens im Sommer nächstes Jahres wieder Gewinne machen, natürlich mit ihm als Krösus: „Niemand wird jemals Ryanair überholen. Weder in Kosten noch in Preisen noch in Bescheidenheit“, sagt O‘Leary.


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