Ein Supermarkt. Die meisten SystemerhalterInnen arbeiten im Einzelhandel.
Die meisten SystemerhalterInnen arbeiten im Einzelhandel. Foto: Philippe Beliveau für Unsplash
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/ 8. Juni 2020

Die Maßnahmen gegen das Coronavirus werden langsam heruntergefahren, die "SystemerhalterInnen" verschwinden wieder aus dem Scheinwerferlicht. Dabei sind sie nicht nur während Krisen jene, die unsere Gesellschaft am Laufen halten - und das oft unter schlechten Arbeitsbedingungen, Schichtdiensten und geringer Entlohnung.

Das Forschungsinstitut SORA veröffentlichte im Auftrag der Arbeiterkammer nun eine Sonderauswertung des Arbeitsklimaindex für elf Berufsgruppen, die in der Krise und darüber hinaus systemrelevant sind. Insgesamt arbeiten eine Million Menschen in solchen Berufen. Wir haben die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst.

#1 Jede zweite Berufsgruppe verdient schlecht

In fünf der elf systemrelevanten Berufe liegt die Entlohnung unter dem österreichischen Durchschnitt. Das trifft besonders jene Gruppen, in denen der Frauenanteil überwiegt. Finanzielle Unabhängigkeit ist für viele nicht möglich. Rund ein Drittel der medizinischen Assistentinnen, Pflegerinnen und Einzelhandelsbediensteten gibt an, von ihrem Partner finanziell unterstützt zu werden.

#2 Atypische Beschäftigungsformen sind ganz schön häufig

Reinigungskräfte sind oft nur geringfügig angestellt. Beinahe jede zehnte ist LeiharbeiterIn. Auch ÄrztInnen und ApothekerInnen sind häufig atypisch beschäftigt. Bei ihnen fallen vor allem Befristungen ins Gewicht.

#3 Schichtarbeit, Nachtarbeit oder auf Abruf: SystemerhalterInnen haben oft belastende Arbeitszeiten

Nachtarbeit, Schichtarbeit oder Arbeit auf Abruf macht es den ArbeitnehmerInnen schwer, Beruf und Privatleben zu vereinbaren. Vor allem Kinderbetreuung kann so zu einer Herausforderung werden. Diese Randarbeitszeiten sind vor allem in der Pflege weit verbreitet.

#4 Frauen sind doppelt belastet

Ein Drittel der Menschen in systemrelevanten Berufen hat ein Kind unter 14 Jahren. Gleichzeitig geben drei Viertel der Mütter in diesen Berufen an, dass sie "Zuverdienerinnen" sind. Daraus lässt sich ableiten, dass diese Frauen doppelt Verantwortung tragen, nämlich für ihren Beruf und für ihre Kinder.

Laut Arbeiterkammer zeigen schon erste Studien, dass einkommensschwache Gruppen ein höheres Risiko haben, sich mit dem Coronavirus anzustecken. Sie müssen für ihren Beruf unterwegs sein und kommen somit häufiger in Kontakt mit anderen Menschen. Die Auswertung ergab außerdem eine starke psychosoziale Belastung von systemrelevanten Berufsgruppen. Das gilt für Pflegerinnen genauso wie für Essensauslieferer.

Dass diese Berufe für unsere Gesellschaft wichtig sind, spiegelt sich nicht immer im öffentlichen Ansehen wider. Reinigungskräfte, BerufsfahrerInnen, Bedienstete in der öffentlichen Sicherheit, Einzelhandelsbedienstete und Bankangestellte genießen ein unterdurchschnittliches Ansehen in der Gesellschaft.

Hier findest du den ganzen Bericht.

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