Eine Frau mit Augen- und Gesichtsmaske reinigt ein Fenster.

CDC, Unsplash

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/ 21. Februar 2020

Sie sind unsichtbar und gleichzeitig nicht wegzudenken: Putzkräfte. Sie kümmern sich darum, dass im Büro alles sauber ist, reinigen öffentliche Gebäude und helfen in Privathaushalten aus. Doch der Job ist hart. Der Großteil der österreichischen Putzkräfte glaubt nicht, den Job bis zur Pension durchzuhalten. Das ergibt der neue Arbeitsklima Index der AK Oberösterreich. Wir haben uns die Situation der Putzkräfte in Österreich angesehen.

So viel vorweg: Die Datenlage ist eher schlecht, das Thema in Medien kaum präsent und in der Forschung vernachlässigt. Dennoch zeigen die Zahlen, dass die Arbeitsbedingungen dringend verbessert werden müssen.

Die Ausgangslage: Die Mehrheit glaubt, nicht bis zur Pension durchzuhalten

Der Job ist körperlich anstrengend

Schleppen von Wasserkübeln, Schrubben, Staubsaugen - Reinigungskräfte bewegen sich viel, müssen sich strecken und bücken. Der Job ist körperlich ziemlich anstrengend und geht auf die Gesundheit.

Sie kommen mit dem Gehalt kaum aus

Nach AMS-Gehaltskompass beginnt das Einstiegsgehalt für eine Reinigungskraft bei 1.400 Euro. Dazu kommt, dass jede zehnte Reinigungskraft angibt, ihr Lohn werde oft nicht korrekt abgerechnet. Die Folge: Viel zu viele Frauen kommen mit ihrem Gehalt nicht aus.

In Privathaushalten arbeiten so gut wie alle schwarz

Experte für Schattenwirtschaft Friedrich Schneider von der JKU schätzt, dass 90 Prozent der Reinigungskräfte in Privathaushalten unangemeldet putzen. Nur ein geringer Teil der um die 150.000 Haushaltshilfen nimmt beispielsweise einen Dienstleistungsscheck in Anspruch oder arbeitet legal als Selbstständige.

Das sollte nicht wundern. Die meisten von uns wollen nur wenig Geld für eine Putzkraft ausgeben, die Stundenlöhne sind niedrig. Bei einer Anmeldung kommen die SVA-Beiträge und ab einer gewissen Grenze Einkommenssteuer dazu. Wenn eine Putzkraft nie krank ist, ein ganzes Jahr keinen Urlaub nimmt und ihre KundInnen alle Aufträge einhalten, verdient sie nicht einmal 9 Euro netto in der Stunde.

Bei diesen Arbeitsbedingungen ist wenig verwunderlich, dass viele den Job nicht zur Pension machen können oder wollen. Gewerkschafterin Veronika Bohrn-Mena sieht den Grund darin, dass Putzkräfte unsichtbar sind. Sie arbeiten bevor die KollegInnen ins Büro kommen und werden nicht als Teil der Belegschaft wahrgenommen. Auch in Privathaushalten verlassen KundInnen oft lieber den Raum, wenn die Putzkraft da ist.

Dabei muss die Arbeit einer Haushaltshilfe an sich gar nicht schlecht sein, wenn die Umstände passen. Das heißt: Das Arbeitsrecht wird eingehalten, der Lohn korrekt und pünktlich bezahlt, auf die Gesundheit der ArbeiterInnen geachtet. Und wer selbst eine Reinigungskraft beschäftigt, sollte vielleicht über einen angemessenen Stundenlohn nachdenken.

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