Demokratie

Die Wiener Festwochen und die kalkulierte Aufregung um Peter Thiel

Die Wiener Festwochen laden Peter Thiel ein. Damit sind sie ihm schon auf den Leim gegangen. Natascha Strobl kommentiert.

Peter Thiel ist wie der Prototyp eines James Bond Bösewichts. Er hat richtig viel Geld. Er spricht Deutsch. Er gründet ein Tech-Unternehmen, dessen Produkte der Massenüberwachung dienen. 

Thiel hat nur ein einziges Problem: Er ist nicht besonders charismatisch und leidet sichtbar unter dieser Tatsache. Kein Geld der Welt hat es bis jetzt geschafft einen spannenden Redner und schon gar nicht eine Rampensau a la Elon Musk aus ihm zu machen. 


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Auch deswegen umgibt er sich mit dem Nimbus der tiefen Intellektualität, die ihn zu einem spannenden Gesprächspartner machen sollen. Seine Geisteswelten schwanken zwischen Feudal-Futurismus und christlichem Okkultismus. Seine Einflüsse sind dabei klar erkennbar: Dort ein wenig Niccoló Machiavelli, darüber ein wenig Julius Evola, dort der obligatorische Carl Schmitt und am Ende der ihm so wichtige Leo Strauss

Dieses Gemisch gibt eine durch und durch menschenfeindliche, sozialdarwinistische, elitäre und rein im Geistigen verhaftete Sicht auf die Welt. 

Man könnte es auch eine faschistische Geisteshaltung nennen. 

Liberaler Mythos: Den Faschismus "entzaubern"

Faschismus scheint auch eine besondere Faszination auf gut situierte Männer aus liberalen Milieus auszuüben. Sie werfen gerne anderen vor, dass diese sich nicht genügend damit auseinandersetzen. (An dieser Stelle sei angemerkt, dass ich schon vor einem halben Jahrzehnt zu Thiel referiert habe.) 

Sie meinen aber, dass allein sie selbst Leute wie Thiel richtig konfrontieren können. Es ist der Mythos der Entzauberung. Wenn mal nur ein richtiger, intellektueller Mann einen faschistischen, intellektuellen Mann richtig konfrontiert, dann wird letzterer so richtig entzaubert. Bis jetzt waren alle zu dumm dafür, deswegen muss jeder dieser Männer es einzeln nochmal versuchen. 

Mit genau diesem Vorwand probieren es jetzt auch die Wiener Festwochen unter Intendant Milo Rau und laden Thiel zum "kritischen Gespräch".

Thiel ist gefährlich, aber öde

Dabei fällt man mit dieser Show dem Faschismus schon rein. Es gibt nichts zu entzaubern. Thiel überhaupt eine herausragende Intellektualität oder spannende Gedanken zuzuschreiben fällt schon auf das konstruierte Bild herein. Thiel repräsentiert leine Mehrheit, seine Gedanken sind nicht breit bekannt und schon gar nicht akzeptiert. 

Er ist ein intellektueller Obskurant, dem man zuhört, weil er mit viel Geld viel Unheil anrichten kann. 

Offensichtlich giert er nach intellektueller Anerkennung. Diese kann man ihm auch verweigern. Man muss sich nicht ernsthaft hinsetzen und über den Antichristen und das kommende Armageddon diskutieren. Man muss nicht über CEOs als kleine Fürsten sinnieren. Man muss nicht philosophieren, dass reine Gesellschaften weniger dekadent sind als plurale. Nichts davon ist übrigens so spannend oder neu, dass man es aus dem Mund von Thiel in Persona hören muss. 

Provokation als PR

Dazu dient die Einladung auch gar nicht. Man will den Protest provozieren, man will eine Show und eben nicht die intellektuelle Auseinandersetzung. Man will “die Linken” mal so richtig vorführen, indem man ihren Protest gegen einen Faschisten zum eigentlichen Zweck der Inszenierung macht - die so richtig aufgeht, umso mehr Leute sich darüber aufregen

Weil es edgy ist, sich über Leute lustig zu machen, die Faschisten wirklich doof finden. Jeder hat dann seinen Zweck erfüllt, es gibt keinen Erkenntnisgewinn, aber man kann sich anderen überlegen fühlen. 

Was für eine öde Inszenierung. 

Das alles funktioniert nur, weil man Thiel den Bond-Bösewicht abnimmt. Viel wichtiger wäre es doch, ideologische Faschisten als das zu zeigen, was sie sind: Diese seltsame Mischung aus jämmerlichem Pseudo-Intellektualismus und grenzenloser Bösartigkeit. 


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