Morgenmoment
/ 30. März 2022

Guten Morgen!

Der Preis von Gewinnen und die Frage nach den wahren Gewinner:innen. Dein Morgenmoment kommt heute von Lukas Bayer.

Fünf wichtige Themen in nur drei knackigen Minuten. Hol dir deinen täglichen Morgenmoment per E‑Mail!

Ich bin einverstanden, einen regelmäßigen Newsletter zu erhalten. Mehr Informationen: Datenschutz.

#1 Möchtest du das teilen?

Putins Krieg in der Ukraine löst in Österreich eine Teuerungswelle aus. Gas, Strom, Heizöl, Treibstoff, Rohstoffe und bald auch die Mieten werden teurer. Doch nicht nur steigende Kosten für importierte Güter aus dem Ausland – oft aus Russland – sorgen für steigende Preise. Immer öfter wird deutlich, dass so mancher Konzern ein Gewinner des Krieges und mancher die Pandemie gut für Preiserhöhungen nutzt. Wie so etwas möglich ist und was wir dagegen tun können, erklärt dir MOMENTUM-Ökonom Oliver Picek in unserer Reihe "Wirtschaft erklärt".

#2 NatsAnalyse

In der Ukraine herrscht Krieg, Millionen Menschen sind auf der Flucht. Die Art, wie jemand flieht, sagt allerdings nichts über die Schutzbedürftigkeit aus. Was Smartphones mit der Behauptung von massenhaft Luxusautos zu tun haben? Politologin Natascha Strobl analysiert.

#3 Gegengelesen

 

Krieg in Europa und die immer noch nicht überstandene Corona-Pandemie bringen die Weltwirtschaft in Schwierigkeiten. Einige Branchen nutzen das Wirrwarr auch für gute Gewinne auf Kosten aller anderen.

Die Folgen: Die Preise für Mieten, Energie, Treibstoff, Lebensmittel und im Supermarkt steigen kräftig. Es ist wichtig, dass wegen dieser Teuerung nun auch die Löhne steigen. Andernfalls drohen wir alle viel Geld zu verlieren. Und wir könnten dann auch weniger in der heimischen Wirtschaft ausgeben.

Einen interessanten Blickwinkel haben der neoliberale und industrienahe Thinktank Agenda Austria und einige Medien wie "heute" und "Presse" auf dieses Thema geworfen. Die von Arbeitnehmervertretungen geforderten Gehaltserhöhungen würden den Menschen gar nicht so viel bringen, rechnen sie uns vor. Sie wollen uns erklären: Der eigentliche Gewinner wäre der Staat. Für ihre Rechnung zählen sie einfach alle Steuern von Unternehmen und Arbeitnehmer:innen und die Abgaben zusammen, die bei Löhnen anfallen. Darüber freue sich dann "der Finanzminister", heißt es in den unkritischen Berichten.

Was dabei nicht gesagt wird: Die Nettolöhne steigen zwar tatsächlich bei Lohnerhöhungen nicht so stark, wie die Steuern und Abgaben. Diese verschwinden aber nicht einfach in einem Loch. Als "Abgaben" werden in Österreich vor allem auch Versicherungen verstanden. Wer mehr an die Arbeitslosen- und Pensionsversicherung zahlt, bekommt aus diesen Töpfen dann auch persönlich mehr Geld. Die Kranken- und Unfallversicherung finanziert unser staatliches Gesundheitssystem.

Und auch nur dank der Steuern sind wichtige öffentliche Leistungen möglich - etwa der Teuerungsausgleich, die öffentlichen Verkehrsmittel gegen steigende Energiepreise oder das Pflege- und Gesundheitssystem.

#4 HerStory

Wir machen den März zum Womens History Month und stellen jeden Tag eine bemerkenswerte Frau vor. Heute: Rose Schneiderman.

Im Alter von 13 Jahren musste Rose Schneiderman (geboren 1882 als Rachel Schneidermann) bereits arbeiten, um ihre alleinerziehende Mutter und ihre vier Geschwister finanziell zu unterstützen. Ihr Vater war kurz zuvor an Meningitis verstorben, die Familie von Russland nach New York ausgewandert.

Mit 21 Jahren wurde die 1,37 m große Schneiderman dann zu einer prägenden Figur der US-amerikanischen Arbeiter:innenbewegung. Ihr ist es zu verdanken, dass auch Frauen der jüdisch-sozialistischen Gewerkschaft "United Cloth Hat and Cap Makers' Union" (deutsch: "Vereinigung der Hut- und Mützenmacher") beitreten konnten. 1909/10 organisierte sie einen dreizehnwöchigen Streik von 20.000 New Yorker Textilarbeiterinnen, den diese auch gewannen. Ein Jahr später hielt sie nach dem Tod von 146 Menschen in einer Fabrikhalle eine flammende Rede und trat etwas später der Sozialistischen Partei Amerikas (SPA) bei.

Schneiderman war außerdem Mitglied der Suffragetten, die Anfang des 20. Jahrhunderts mit Störaktionen und Hungerstreiks für ein allgemeines Frauenwahlrecht eintraten. Sie nahm für die USA nach Ende des Ersten Weltkriegs an der Pariser Friedenskonferenz teil und hatte großen Einfluss auf Eleanor Roosevelt und deren Mann und späteren US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt. Schneiderman übte nie ein großes politisches Amt aus, ihre Ziele waren aber bekannt: Sozialwohnungen, Schulen, Energieversorgung in öffentlicher Hand, Konsumgenossenschaften, eine öffentliche Gesundheitsvorsorge und eine Arbeitslosenversicherung.

Schneiderman führte eine langjährige Beziehung mit der Gewerkschafterin Maud Swartz, die 1937 verstarb. 1949 setzte sich Schneiderman zur Ruhe, im August 1972 verstarb sie in New York City.

#5 In was für einer Welt leben wir eigentlich?

Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) befürchtet einen "totalen Ausfall" ukrainischer Erntehelfer:innen. Tausende von ihnen ernten normalerweise zu niedrigen Löhnen und bei schlechten Arbeitsbedingungen für uns Gurkerl, Erdbeeren oder Spargel. Wegen des Angriffskriegs von Russland auf die Ukraine haben diese Menschen aber andere Sorgen. Gerade Männer werden ja für den Krieg eingezogen und dürfen das Land nicht verlassen. Und selbst nach Österreich Geflüchtete, die arbeiten wollen, stehen vor zu langen bürokratischen Wartezeiten.

Ersatz soll deshalb aus anderen Niedriglohnländern angeheuert werden. Weil aber viele Länder in Europa gerade um diese Arbeitskräfte rittern, werden die Distanzen zur Anwerbung immer größer. Manch Betrieb lässt sogar Erntehelfer:innen aus Vietnam einfliegen. Außerdem fordern sie, dass die niedrigen Löhne mit Steuergeld aufgefettet werden. Nur: Warum sollte der Staat die oft ausbeuterischen Geschäftsmodelle in der Landwirtschaft finanzieren?

Dabei gibt es einen einfacheren, faireren und besseren Lösungsansatz: Erntehelfer:innen müssen einfach besser entlohnt und behandelt werden. Sie bekommen im Schnitt gerade einmal 7 Euro netto pro Stunde. Es braucht faire Verträge und Arbeitsbedingungen anstatt bis zu 100 Wochenstunden ohne Sozialversicherung. Viele der 15.000 Erntehelfer:innen aus dem Ausland haben keine Ahnung, welche Rechte sie hier haben. Deshalb braucht es auch schärfere Kontrollen und härtere Strafen, wenn Landwirtschaftsbetriebe die Regeln brechen.

Die Corona-Pandemie hat gezeigt: Auch viele Österreicher:innen wären bereit, am Feld zu arbeiten. Tausende haben sich in den ersten Monaten zumindest zur Überbrückung gemeldet. Weil die aber besser über ihre Rechte Bescheid wissen, wurden viele ignoriert und stattdessen immer noch billige Erntehelfer:innen aus Osteuropa geholt, die für einen Hungerlohn unter unmenschlichen Bedingungen schuften müssen. Anstatt faire Löhne und Arbeitsbedingungen werden Erntehelfer:innen aus Asien geholt.

Ich wünsche dir einen angenehmen Mittwoch!

Lukas

Dir gefällt unsere Arbeit?

Das freut uns! Wir sind unabhängig von Parteien und Konzernen. Unterstütze unsere Arbeit mit deiner SPENDE. Jeder Beitrag, ist er noch so klein, ist wichtig!

Fünf wichtige Themen in nur drei knackigen Minuten. Hol dir deinen täglichen Morgenmoment per E‑Mail!

Ich bin einverstanden, einen regelmäßigen Newsletter zu erhalten. Mehr Informationen: Datenschutz.