Equal Pension Day

Danie Franco/Unsplash

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Redaktion
/ 30. Juli 2022

Die Ungleichheit zwischen Frauen und Männern existiert nicht nur im Berufsleben, sondern auch in der Pension. Das beschreibt der Gender Pension Gap. Der Equal Pension Day soll darauf aufmerksam machen, dieses Jahr fällt er auf den 3. August. Aber was bedeutet er eigentlich?

Was ist der Equal Pension Day?

Der Equal Pension Day ist jener Tag, an dem Männer bereits so viel Pension bekommen haben, wie Frauen im ganzen Jahr erhalten. In diesem Jahr fällt der Tag in Österreich auf den 3. August 2022. Das ist zumindest zwei Tage später als im Vorjahr. Ein Grund zum Feiern ist das aber nicht.

Frauen verdienen, oft sogar bei gleicher Qualifikation oder Bildungsgrad, weniger als Männer. Das ist in Österreich Fakt. Der Unterschied in den Einkommen insgesamt wird im sogenannten Gender Pay Gap beschrieben.

Nicht wenig überraschend: Auch nach dem Berufsleben wartet für Frauen ein weiteres Kapitel ungerechter Verteilung. Denn auch bei den Pensionen kann von Gleichstellung nicht die Rede sein. Frauen erhalten im Schnitt satte 38 % weniger Pension als Männer. Beim Gender Pension Gap verhält es sich also ähnlich wie bei der Lohnschere.

Immerhin: zwischen 1997 und 2020 hat sich die Lücke etwas verringert. Damals klaffte der Gender Pension Gap noch um 46,4%. Frauen bekamen damals also nur etwa die Hälfte der Pension der Männer. Wenn sich die Lücke allerdings weiter in diesem Tempo schließt, können wir in Österreich erst 2118 von Gleichstellung sprechen.

Equal Pension Day: Warum bekommen Frauen weniger Pension?

Natürlich sind die niedrigen Pensionen eine Folge der ebenfalls geringeren Löhne, die Frauen erhalten. Und die haben wiederum allerlei Gründe: Ein gewisser Teil erklärt sich, dass Frauen zum Teil für dieselbe Arbeit immer noch weniger verdienen. Andere Teile daraus, dass weiblich dominierte Branchen niedrigere Gehälter zahlen. Und Frauen gehen durch häufigere und längere Teilzeitphasen, weil sie immer noch den Löwenanteil der Kinderbetreuung übernehmen. In dieser Zeit leisten sie unbezahlte Care-Arbeit. Diese nur teilweise oder gar nicht bezahlten Jahre wirken sich negativ auf die Pension aus.

Wie man es dreht und wendet, der Gender Pension Gap entsteht am Ende aus Diskriminierung. Fast die Hälfte aller Frauen arbeitet Teilzeit, allerdings nur jeder zehnte Mann. Durch die Pensionsreform von 2005 rächt sich Teilzeitarbeit im Alter noch mehr. Früher wurden die 15 besten Erwerbsjahre für die Berechnung der Pensionshöhe verwendet. Inzwischen werden alle Versicherungsjahre für die Berechnung herangezogen. Frauen sind dadurch besonders oft von Altersarmut betroffen. Das mittlere monatliche Pensionseinkommen von Frauen lag 2020 bei 1.216 Euro netto und damit unter Armutsgefährdungsgrenze für Einzelhaushalte. Männer hingegen haben 1.705 Euro netto im Monat bekommen. Das ist ein Unterschied von fast 500 Euro netto monatlich.

Gender Pension Gap: Bundesländer schneiden unterschiedlich ab

In den einzelnen Bundesländern gibt es jedoch starke Unterschiede, wie Berechnungen des Momentum Instituts zeigen. Am größten ist die Ungleichheit in Vorarlberg mit 46,2 Prozent. Frauen bekommen im Westen also fast nur die Hälfte der Pensionen der Männer. Am besten schneidet Wien mit einer Differenz von 25.2 % ab. Im Westen ist die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern also auch im Alter besonders drastisch.

Gerade jene Bundesländer mit hohem Gender Pay Gap schneiden auch bei den Pensionen äußerst schlecht ab. Aber woher kommt dieses Ost-West-Gefälle? Kein Zufall ist, dass besonders jene Bundesländer schlecht abschneiden, die auch beim Angebot von Kinderbetreuungseinrichtungen hinterherhinken. Für Frauen ist das nämlich ein wesentlicher Faktor für ihre Arbeitszeit. Schließt der Kindergarten bereits nach 6 Stunden, wie das zum Beispiel in Vorarlberg der Fall ist, sind es meistens die Mütter, die für den Rest des Tages auf die Kinder aufpassen. Gerade in ländlichen Gebieten wird es vielen Eltern gar nicht ermöglicht, Vollzeit zu arbeiten. In Wien, wo 70% der Kindergärten bis Die Folge: Mehr Teilzeitarbeit und weniger Pension für Frauen.

Wie können wir den Gender Pension Gap in Österreich schließen?

Altersarmut ist vor allem ein Problem für Frauen. 2021 waren in Österreich 232.000 Menschen über 65 von Armut betroffen, davon 70% weiblich. Jede vierte Frau über 65 ist außerdem armutsgefährdet. Bei den Männern ist es etwa jeder siebte. Die Armutsgefährdung von Frauen über 65 ist dabei von 2020 auf 2021 um 7,6 % angestiegen. Dieser Trend darf sich nicht so fortsetzen. Aber was muss sich ändern?

Expert:innen fordern eine gerechte Aufteilung der unbezahlten Arbeit zwischen Frauen und Männern und bessere Anrechnung und Anerkennung dieser Arbeit. Außerdem braucht es ausreichende Angebote für Kinderbetreuung, damit Frauen ihren Jobs nachgehen können. Überhaupt helfen Maßnahmen gegen Einkommensungleichheit von Männern und Frauen, also den Gender Pay Gap, auch gegen den Gender Pension Gap. Dazu zählen unter anderem eine bessere Bezahlung in überwiegend weiblich geprägten Branchen wie z.B. Pflege oder Kleinkindpädagogik sowie Schritte in Richtung allgemeiner Arbeitszeitverkürzung.

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