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Gegengelesen: Die Presse im Kampf gegen Feiertage

Die Presse sagt Feiertagen den Kampf an. Sie seien überholt und wirtschaftlich nicht mehr tragbar. Um aus der Krise zu kommen, müssten Österreicher:innen einfach mehr arbeiten. So einfach ist es aber nicht.

In einem Leitartikel und einer Kolumne arbeiten sich Michael Laczynski und Hans Winkler in der Presse an Feiertagen ab. Sie behandeln sie wie den Auswuchs einer Gesellschaft, die schlicht und einfach immer weniger arbeiten will. 

Michael Laczynski argumentiert in seinem Leitartikel, dass wir einfach mehr arbeiten müssten, um die aktuellen Krisen zu bewältigen.

Wie ist das mit gestrichenen Feiertagen und der Wirtschaft?

Laczynski meint, es sei “unbestritten”, macht dann aber im Text recht schnell klar, dass es gar nicht so unbestritten ist. Er arbeitet sich an internationalen Beispielen von gestrichenen Feiertagen ab, ohne zu belegen, ob das die Wirtschaft angekurbelt hat. 

Er zitiert eine Studie, die zeigt, dass durch den Wegfall eines Feiertags die Wertschöpfung um “ein Fünftel des BIP-Tagesanteils” steigt. Dann nennt er eine andere Studie, die wiederum argumentiert, dass es auf mehrere Faktoren ankommt. Denn in Ländern, in denen der Tourismus einen hohen Anteil an der Wertschöpfung trägt – wie Österreich – machen die Menschen durch die Feiertage mehr Urlaub, was wiederum das BIP steigert. 


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Eine deutsche Studie, die in der Presse keine Aufmerksamkeit bekommt, konnte währenddessen vor einem Jahr keine empirischen Belege finden, dass weniger Feiertage die Wirtschaft ankurbeln. Im Gegenteil ist in manchen Regionen mit mehr Feiertagen sogar ein größeres Wachstum verzeichnet worden. Moderne Volkswirtschaften seien zu komplex, um hier von einer einfachen Rechnung auszugehen.

Klingt also, als wäre es “sehr kompliziert”, wie auch Laczynski meint, um dann zu sagen, dass es noch nicht ganz so kompliziert sei. Er beendet sein Plädoyer für weniger Feiertage mit mehreren Tricks aus der neoliberalen Krisenbewältigungs-Zauberkiste.

Feiertage als Gefahr für die Leistungsgesellschaft

Winkler behandelt Feiertage währenddessen wie etwas, das sich Arbeitnehmer:innen zum Spaß ausgedacht hätten. Ein “eigenes Vokabular” gebe es sogar dafür. Die Frechheit, sich einen Freitag zwischen Feiertag und Wochenende freizunehmen, klingt dabei wie ein Betrugsversuch von Arbeitnehmer:innen, um sich einen Urlaub zu erschleichen.

Auch bei ihm geht es vor allem um Produktivität und Leistung. Österreicher:innen müssten einfach mehr arbeiten, nicht weniger. Die Selbstwahrnehmung wäre dabei etwas verrückt, meint Hans Winkler:

Dabei werden wir immer produktiver. Mit gleich viel Zeitaufwand produzieren wir immer mehr und schaffen so laufend einen höheren Lebensstandard.

In der Vergangenheit ging mit gestiegener Produktivität meist einer Arbeitszeitverkürzung einher. Zwischen 1950 und 1985 wurde die Arbeitszeit laufend gesenkt. Es wurde also zum Ausgleich für mehr Produkte und Dienstleistung mehr Freizeit und Lebensqualität geboten. Trotz weiterhin steigender Arbeitsproduktivität gab es in den vergangenen 40 Jahren aber keine generelle Arbeitszeitverkürzung mehr. Stattdessen sollen laut Presse-Autoren nun Feiertage gestrichen werden.

Außerdem nutzt Winkler für seine Argumentation einen Ländervergleich, der allerdings bei genauerer Betrachtung wenig Aussagekraft hat:

Den Zusammenhang von Arbeit und Wohlstand begreift Winkler demnach wohl selbst nicht. Denn dieser Vergleich mit der Schweiz sagt darüber nicht viel aus. Österreich hat zum Beispiel auch wesentlich mehr Feiertage als Deutschland und trotzdem ein höheres BIP. Der hohe Wohlstand der Schweiz lässt sich nicht einfach daraus ableiten, dass Menschen dort mehr arbeiten.

Feiertage streichen heißt Löhne kürzen

Die Logik der Beiträge, die mehr Arbeit als ein einfaches Werkzeug für Krisenmanagement darstellt, beruht auf vereinfachten Rechnungen und aus der Luft gegriffenen Annahmen. Und sie wälzt die Verantwortung für Krisen wieder einmal auf die Arbeitnehmer:innen ab. Einen Feiertag zu streichen, bedeutet effektiv eine Lohnkürzung. Arbeitnehmer:innen arbeiten mehr Tage für gleich viel Geld. 

Abgesehen davon: Viele Menschen müssen auch an Feiertagen arbeiten, damit die Gesellschaft funktioniert,  etwa Menschen in Einsatzorganisationen, in Krankenhäusern oder im öffentlichen Verkehr. Auch Menschen im Tourismus oder der Gastronomie arbeiten an Feiertagen, um anderen Menschen Urlaub und Freizeit zu ermöglichen. Sie alle würden Bonuszahlungen verlieren, die ihnen an Feiertagen zustehen. 

Am Ende würden also Arbeitnehmer:innen draufzahlen und Unternehmen profitieren. Gleichzeitig treten Krankheiten wie Burnout, die durch Leistungsdruck und Stress verursacht werden, immer häufiger auf.

Warum nicht einfach weniger arbeiten?

Statt Feiertage zu streichen, braucht es eine Arbeitszeitverkürzung und eine 4-Tage-Woche, um Arbeitnehmer:innen zu schützen und die gestiegene Produktivität endlich auszugleichen. Von ausgeglichenen und gesunden Arbeitskräften profitieren auch die Unternehmen und die Wirtschaft. Kürzere Arbeitszeiten und Home-Office-Regelungen können außerdem dabei helfen, Energie und Kosten zu sparen. 

Anstatt wieder also wieder einmal die Arbeitnehmer:innen in die Pflicht zu nehmen und bei Löhnen und Gehältern zu kürzen, müssen wir darüber sprechen, wo wir sonst sparen können und wer die Kosten für die Krise tragen sollte. Das sind vor allem jene, die von den aktuellen Krisen profitieren, wie Energiekonzerne und Banken, die Übergewinne eingefahren haben und das immer noch tun.


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