Zu sehen ist eine Person im Profil mit langen braunen Haaren, auf ihrer Schulter ist ein großes Tattoo einer Blume, der Hintergrund ist blau. Im Artikel geht es um Gewalt gegen Frauen in Österreich.

Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu Gewalt gegen Frauen. (Symbolfoto)

Foto: jasmin chew für Pexels

/ 20. Januar 2022

Gewalt gegen Frauen ist in Österreich ein gesellschaftliches Problem. Viele Frauen sind oder waren von Gewalt, speziell in Beziehungen, betroffen. In den schlimmsten Fällen endet diese Gewalt in dem Tod der Frau. Was mache ich, wenn ich Gewalt mitbekomme? Was, wenn ich selbst betroffen bin? Und was passiert eigentlich, wenn ich die Polizei rufe?

Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu Gewalt gegen Frauen.

Was ist Gewalt gegen Frauen?

Der Begriff umfasst alle Gewaltformen, bei denen Frauen im Zusammenhang mit ihrem Geschlecht Opfer werden. Das ist zum Beispiel bei Gewalt in Beziehungen oft der Fall.

Was ist geschlechterspezifische Gewalt?

Gewalt gegen Frauen ist geschlechterspezifisch, weil sie entweder die Frau aufgrund ihres Geschlechts betrifft oder weil sie Frauen als Gruppe unverhältnismäßig stark betreffen. Das bedeutet, dass etwa Gewalt durch Partner:innen allgemein als geschlechterspezifische Gewalt verstanden wird. Davon abgegrenzt wird Gewalt, bei der das Opfer "zufällig" ist, etwa bei einem Banküberfall.

Welche Formen der Gewalt gegen Frauen gibt es?

Medien legen den Fokus meist auf körperliche Gewalt. Sie ist aber nur eine von vielen Formen von Gewalt gegen Frauen. Oft wenden Täter:innen mehrere Formen an. Diese Begriffe sind in dem Zusammenhang wichtig:

Wer psychischer Gewalt ausgesetzt ist, wird zum Beispiel gedemütigt, kleingehalten, beschimpft und verängstigt. Wenn der Partner im Streit die Sachen des Opfers zerstört, gilt das auch als psychische Gewalt. Mit psychischer Gewalt wollen Täter:innen die Opfer kontrollieren.

Bei sexueller Gewalt stellen sich viele ein Angriff eines Fremden auf offener Straße vor. Tatsächlich passiert auch diese Gewaltform vor allem im persönlichen Umfeld. Dazu gehört Gewalt von Nötigung bis zur Vergewaltigung.

Wirtschaftliche Gewalt beschreibt das Kontrollieren der Finanzen des Opfers. Täter:innen verschaffen sich zum Beispiel Zugang zum Konto, heben große Summen ab. Oder sie verbieten den Opfern zu arbeiten, um sie finanziell abhängig zu machen.

Wie viele Frauen sind in Österreich von Gewalt betroffen?

Gewalt gegen Frauen wird von den Behörden nicht erhoben. Wir wissen zum Beispiel nicht, wie viele Opfer, die eine Körperverletzung angezeigt haben, 2021 weiblich waren. Befragungen sind teilweise schon Jahre her. Forscher:innen kritisieren, dass die Datenlage in Österreich schlecht ist.

Dennoch ist klar, dass Gewalt gegen Frauen ein weit verbreitetes Phänomen ist. Eine repräsentative Umfrage aus dem Jahr 2014 ergab, dass 20 Prozent der Frauen in Österreich seit dem 15. Lebensjahr Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt wurde. Besonders oft ging von Partner:innen körperliche oder sexuelle Gewalt aus. 13 Prozent aller befragten Frauen erlebten das in einer Beziehung.

Eine Auswahl anderer Gewalterfahrungen von Frauen:

- 28% der Frauen gaben, in ihrer Beziehung kontrolliert worden zu sein
- 27% berichten allgemein von missbräuchlichem Verhalten durch eine:n Partner:in
- 11% geben an, wirtschaftliche Gewalt erfahren zu haben

Was tun, wenn man von Gewalt gegen Frauen erfährt?

Wenn du eine gefährliche Situation miterlebst und dich sicher genug fühlst, kannst du versuchen, die Gewalt zu unterbrechen. Ansonsten kannst du die Polizei rufen. Opfer sind oft abhängig von den Gewalttäter:innen, gerade wenn Kinder im Haushalt leben. Es kann also sein, dass sie abstreiten, dass etwas passiert ist, wenn die Polizei eintrifft.

Ist dem so, kannst du die Betroffene in einem günstigen Moment ansprechen. Zum Beispiel, wenn ihr alleine seid. Die Wiener Interventionsstelle empfiehlt konkrete Hilfe anzubieten. Du kannst zum Beispiel ein Hilfezeichen ausmachen oder anbieten, das Opfer könne bei dir zu Hause telefonieren oder Zuflucht finden. Mehr dazu hier.

Wenn du das Opfer besser kennst, ist es wichtig, Kontakt zu halten. Täter:innen versuchen oft, die Opfer zu isolieren und damit noch abhängiger zu machen. Du solltest die Gewalt immer ernst nehmen und sie nicht herunterspielen. Sobald die Betroffene die Trennung schafft, kannst du zum Beispiel helfen, eine neue Wohnung zu suchen, Sozialleistungen zu beantragen, ein neues Konto zu eröffnen. Mehr Hinweise für Freund:innen, Familie und Kolleg:innen findest du hier.

 

Was macht die Polizei in Österreich bei häuslicher Gewalt?

Die Polizei kann eine Wegweisung und ein Betretungsverbot aussprechen. Das bedeutet, Täter:innen müssen die Wohnung verlassen und dürfen sie zumindest zwei Wochen lang nicht betreten. Das soll verhindern, dass mehr Gewalt passiert.

Die Schwierigkeit dabei ist, dass sich die Polizei sehr schnell ein Bild machen muss. Wer ist Täter:in? Wie gefährlich ist die Situation?

Opfer können bei der Polizei Anzeige erstatten. Betroffene Frauen können bei häuslicher oder sexueller Gewalt darauf bestehen, von einer Polizistin einvernommen zu werden. Schon vor der Anzeige können Opfer Prozessbegleitung kostenlos in Anspruch nehmen. Dabei bekommen sie sowohl psychologische als auch rechtliche Hilfe.

Nach der Anzeige fängt die Polizei an zu ermitteln. Sie nimmt die Aussage der Täter:innen und möglicher Zeug:innen auf. Letztlich entscheidet die Staatsanwaltschaft, ob sie Anklage erhebt und ein Gerichtsverfahren eröffnet.

An wen kann ich mich wenden, wenn mir in Österreich Gewalt als Frau angetan wird? 

- Die Frauenhelpline ist rund um die Uhr verfügbar und für ganz Österreich zuständig: 0800 222 555
- Ein barrierefreier Service hilft gehörlosen Opfern dabei, die Frauenhelpline zu erreichen: https://www.oegsbarrierefrei.at/frauenhelpline
- Frauenhäuser in ganz Österreich: http://www.aoef.at und http://www.frauenhaeuser-zoef.at
- Frauenberatungsstellen bei sexueller Gewalt in ganz Österreich: https://www.sexuellegewalt.at/
- Österreichweite Beratung und Notwohnungen in Wien bei Zwangsheirat: http://www.orientexpress-wien.com
- Für Betroffene von Frauenhandel, Beratung österreichweit: https://lefoe.at/kontakt/
- Eine Übersicht von Beratungsstellen für Frauen und Mädchen nach Bundesland: https://www.bundeskanzleramt.gv.at/service/frauenservice-beratung-und-gewaltschutzeinrichtungen/beratungseinrichtung.html

Was ist ein Femizid?

Immer häufiger wird der Begriff "Femizid" verwendet, um die größeren Zusammenhänge von geschlechtsspezifischer Gewalt (siehe oben) zu betonen. Eine einheitliche Definition gibt es noch nicht. Meistens werden Frauenmorde als Femizid gezählt, wenn Täter:innen (Ex-)Partner:innen sind.

In Österreich ist das sehr häufig der Fall. Im Jahr 2021 waren in 25 von 29 Fällen waren die mutmaßlichen Täter (Ex-)Partner. Alle waren männlich.

Wie viele Frauen werden in Österreich ermordet?

Die offizielle Statistik für 2021 steht noch aus. Wir haben in unserer Recherche 29 Fälle gefunden. Im Jahr 2020 wurden 31 Frauen getötet, im Jahr davor 39. Auffällig ist, dass in fast allen Jahren mehr Frauen als Männer getötet wurden. In den meisten Ländern ist es umgekehrt. Eine Erklärung dafür ist, dass es in Österreich wenig Gangkriminalität gibt, dessen Opfer vorwiegend männlich sind.

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