Zu sehen ist ein Mann hinter der Theke in einem Café. Im Artikel geht es um Personalmangel in der Gastronomie.

Ein Café muss schließen, weil es "zu gut" läuft. Was hinter der Klage über Personalmangel in der Gastronomie steckt.

Foto: Zachary Staines für Unsplash

/ 26. April 2022

Birgit Schattbacher schließt ihr Café. Aber nicht, weil es nicht gut läuft. Es läuft zu gut, sagt sie. Sie selbst müsse zu lange im Betrieb stehen - das will sie sich zukünftig nicht mehr zumuten. Sie wolle sich ja Hilfe suchen, klagt sie in den "Salzburger Nachrichten". Nur arbeiten möchte für sie niemand. Seit Dezember sei sie auf der Suche nach Mitarbeiter:innen für ihr Rosencafé in der Salzburger Altstadt: "Eine einzige ernsthafte Bewerbung ist gekommen."

Wo liegt also das Problem? Wieso bleiben die Bewerbungen aus? Schattbacher ortet den Fehler im Sozialsystem, das möglicherweise zu großzügig sei. Der Tenor: Wenn es Geld fürs "Nichtstun" gibt, wer geht dann noch freiwillig arbeiten?

Birgit Schattbacher glaubt, "großzügige" Sozialleistungen seien Schuld am Personalmangel.

Aus: Salzburger Nachrichten, "Es fehlt an Personal, um Gäste zu bewirten"

Über das Gehalt spricht man lieber nicht

Auf Instagram sind zwei Stellenausschreibungen des Rosencafés zwar noch online, allerdings ohne Gehaltsangabe. Auf Anfrage von MOMENT gibt Schattbacher an, dass das Absicht sei. Sie wolle auch jetzt kein Statement zum Gehalt machen, denn: "Es geht darum, ob man grundsätzlich arbeiten will." Den Lohn könne man beim Bewerbungsgespräch festlegen.

Sich auf eine Stelle bewerben, ohne das Gehalt zu kennen? Das könnte Bewerber:innen abschrecken. Viele Menschen gehen schließlich nicht zur Selbstverwirklichung arbeiten, sondern weil sie Geld verdienen müssen oder wollen. Arbeitgeber:innen sind außerdem gesetzlich dazu verpflichtet, Angaben zum Mindestgehalt zu machen.

Klar ist: Löhne in der Gastronomie sind oft niedrig. Nach einer abgeschlossenen Lehre steigen Gastronomiefachleute bei 1.550 Euro brutto ein.

Gastronomie: Harte Branche, wenig Lohn

Auch vor der Corona-Krise war die Branche hart und wenig beliebt. 2019 sagten 40 Prozent zur Arbeiterkammer, dass sie Job wechseln wollen. Angestellte suchen sich im Schnitt alle zwei Jahre einen neuen Betrieb oder sogar einen ganz anderen Beruf.

Die Zufriedenheit mit dem Job ist niedrig, die Belastungen hoch. Zwei Drittel der Befragten gaben an, gestresst oder überlastet zu sein. Spricht man mit Menschen aus dem Bereich, hört man von nicht endenden Schichten, unseriösen Anstellungsverhältnissen und schlechter Bezahlung.

Die Diskussion um Personalmangel in bestimmten Branchen ist nicht neu. Immer wieder beklagen sich Unternehmer:innen in Medien darüber, dass sie trotz aller Bemühungen keine Mitarbeiter:innen mehr finden. Die Stimmen von Angestellten oder Bewerber:innen fehlen in diesen Berichten fast immer. Auch im Bericht der Salzburger Nachrichten zum Rosencafé breiten zwei Seiten lang nur Unternehmer:innen ihre Perspektive auf die Situation aus. Bessere Löhne zu zahlen, wird darin von einem sogar als "keine Lösung" bezeichnet.

Im vergangenen Jahr waren es oft Bäckereien, die in solchen Berichten öffentlichkeitswirksam über Personalmangel, die unwillige Arbeiterschaft und oft auch die staatlichen Sozialleistungen klagten. Wer dann doch genauer nachfragte, stieß auf erstaunliche Details, die es nicht in die Berichte geschafft hatten: Eine Bäckerei bot für 20 Stunden im Service 770 Euro brutto. Eine andere Bäckerei zahlte für 40 Stunden 1.572 Euro brutto, mit dem Zusatz: "Die Bereitschaft zu Wochenend- und (zeitweisen) Frühdiensten ab 5 Uhr setzen wir voraus."

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