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Klimakrise

Zum Scheitern verurteilt: Die Liebe zwischen ÖVP und Verbrenner-Autos

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Ein Sprichwort sagt: Wenn das Pferd tot ist, steig ab. Die ÖVP hat davon wohl noch nichts gehört. Sie setzt im EU-Wahlkampf auf Verbrenner-Autos und will, wenn es nach ihrem Spitzenkandidaten Reinhold Lopatka geht, Europa zum “Weltmarktführer beim Verbrennungsmotor machen”. Dabei hat die EU längst das Verbot der Verbrenner-Autos beschlossen.

Letztes Jahr hat das EU-Parlament das Verbrenner-Aus besiegelt. Ab 2035 werden in der EU nur noch Autos zugelassen, die kein CO2 ausstoßen. Und das aus gutem Grund! 

Wir wissen, dass wir ganz schnell aufhören müssen, Treibhausgase in die Atmosphäre zu blasen. In allen Bereichen. Beim Verkehr kriegen wir das längst noch nicht hin. Mit ein Grund: die Liebe zum Verbrenner-Auto 

EU-weit verursachen wir mit dem Verkehr 24 Prozent mehr Emissionen als noch 1990. In Österreich sieht es noch schlechter aus. Bei uns es fast 50 Prozent mehr als noch 1990. 

„Autoland“ Österreich?

Die Österreicher:innen fahren viel mit ihrem Auto. Die Politik spricht gerne vom “Autoland” Österreich. Da scheint es wenig überraschend, dass die ÖVP das Verbrenner-Aus gar nicht gut fand. Bundeskanzler Karl Nehammer organisierte nach dem Beschluss sogar einen “Autogipfel” mit Fachleuten aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft – auch die OMV war mit dabei. Es solle keine “Denkverbote” geben, sagte der Kanzler und forderte immer wieder “Technologieoffenheit”. 

Genau in diese Kerbe schlägt nun auch EU-Kandidat Lopatka. 

Technologie wird uns nicht retten

Was ist mit der “Technologieoffenheit” denn gemeint? Neue Technologien sollen uns die Klimakrise vom Hals schaffen. Das Problem: Expert:innen und Wissenschaftler:innen warnen. Neue Technologien sind noch nicht ausgereift und beispielsweise E-Fuels und Wasserstoff – von denen die ÖVP gerne spricht – machen für flächendeckende Versorgung keinen Sinn.

Warum? Sie sind teuer und stoßen gesundheitsschädliche Schadstoffe aus. Der Energieverlust ist riesig. Und für die Herstellung braucht es massenhaft Strom. 

Den können wir auch direkt nutzen, um zum Beispiel E-Autos zu laden und zu fahren. Das wäre effizienter. Und zwar sehr viel effizienter. Mit 100 kWh Strom kann ein E-Auto 400 Kilometer weit fahren. Ein Auto mit E-Fuels nur knapp 45 Kilometer. 

Und Technologie reicht auf keinen Fall, um die Erderhitzung einzudämmen. Wir müssen wo immer möglich die Emissionen auf ein Minimum verringern und dann ZUSÄTZLICH neue Technologien nutzen. Und zwar dort, wo es noch keine Alternative gibt. Zum Beispiel beim Fliegen. Nicht aber bei Autos. 

Verbrenner mit E-Autos zu ersetzen reicht nicht – wir brauchen eine Verkehrswende

Aber: Es funktioniert nicht, die klimaschädlichen Verbrennerautos einfach nur durch Elektroautos zu ersetzen. Auch für ihre Herstellung und für ihre Batterien benötigen wir wertvolle Ressourcen. Die sind begrenzt. Wir werden noch lange nicht genug erneuerbare Energie erzeugen können, um so viele Autos zu laden. 

Wir müssen öffentliche Verkehrsmittel ausbauen und leistbar machen, Radwege bauen und die Welt  so gestalten, dass möglichst viele Wege sicher und bequem zu Fuß zurückgelegt werden können. Wir müssen den Güterverkehr, also die ganzen LKWs, auf die Schiene bringen. 

Und wir müssen aufhören, immer mehr Straßen für Autos zu bauen. Schon jetzt sind unsere Städte für Autos gebaut, anstatt für Menschen. Es gibt Unmengen an Straßen und Parkplätzen – mehr als Rad- oder Fußwege oder Grünflächen. 

Studien zeigen: Wer Straßen baut, der kriegt auch mehr Verkehr. Also mehr Autos, Staus, Lärm und Abgase – weniger Lebensqualität für uns.

Aber das funktioniert bei allen Transportmitteln so. Wer Radwege baut, kriegt mehr Radfahrer:innen. Wer mehr Gehwege baut, der kriegt mehr Fußgänger:innen.

Paris zeigt’s vor, Österreich macht’s nicht nach

Das sehen wir in Paris. Tempolimits, höhere Parkgebühren für Geländewagen und massive Investitionen in Fahrradwege und Abstellplätze. Und es wirkt: In Paris fahren heute zur Hauptverkehrszeit doppelt so viele Menschen Fahrrad als noch vor einem Jahr.  

In Österreich ist man davon noch weit entfernt. Zwar gab es in der jüngsten Vergangenheit Fortschritte: Wie das Klimaticket oder dass Städte und Gemeinden einfacher ein Tempolimit von 30 Km/h einführen können. 

Doch da muss mehr passieren. Wir brauchen mehr Öffis. Die Hälfte aller Menschen in Österreich können ihren Alltag nicht allein mit Öffis bestreiten. Jede:r Zehnte im Land kann gar keine Öffis nutzen. Weil schlichtweg keine fahren. 

Und das überrascht auch nicht. Zwischen 1997 und 2022 wurden 690 Kilometer an österreichischen Schienenstrecken rückgebaut. In derselben Zeit wurden Autobahnen und Schnellstraßen um 347 Kilometer ausgebaut. Das ist ein Problem. 

Am Verbrenner festzuhalten ist also keine gute Idee. Für die Verkehrswende brauchen wir ganz andere Dinge. Es wird Zeit, dass wir von unserem „geliebten“, aber toten Verbrenner-Pferd absteigen. 

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