Symbolbild: Klimakiller Kuh (Foto: Erwan Hesry / Unsplash)
Symbolbild: Klimakiller Kuh (Foto: Erwan Hesry / Unsplash)
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/ 24. Juni 2020

Die  Strategie „Vom Hof auf den Tisch“ soll die Länder der EU zu einer nachhaltigen Landwirtschaft führen. Unter diesem Motto soll vor allem die Umwelt geschützt und der Klimawandel bekämpft werden. Klingt gut, trotzdem hagelt es scharfe Kritik.

Diese kommt unter anderem von Greenpeace. Ausgerechnet von der industriellen Massentierhaltung ist in der Strategie nämlich keine Rede. Und die ist für die Umweltschutzorganisation „der größte Klimakiller unserer Lebensmittelproduktion“. Aber warum eigentlich? 

Versteckte Klimasünder

2014 hatte der brasilianische Fleisch-Riese JBS eine triumphale Nachricht für seine Investoren: Der Erfolg des Konzerns sei weit in die Zukunft gesichert. Denn bis 2030 würde der weltweite jährliche Fleischbedarf pro Kopf auf 48 Kilo ansteigen. Das wäre eine Steigerung von 30% in 30 Jahren. 

Wenn JBS recht behält, haben wir ein großes Problem. Um die Erderwärmung unter dem kritischen Limit von 1,5 Grad Celsius zu halten, muss der globale Fleischkonsum bis 2030 auf 22kg im Jahr sinken, so Greenpeace. Zum Vergleich: In Österreich konsumieren wir derzeit 64kg pro Jahr.

Wenn die Fleischindustrie so weitermacht wie bisher, wird sie 80% unseres Klimabudgets verbrauchen:

 

Wenn du an Umweltsünder denkst, kommen dir wahrscheinlich zuerst Öl- und Verkehrsgiganten in den Sinn. Laut einer Studie des „Institute for Agriculture and Trade Policy“ (IATP) sind jedoch die fünf weltgrößten Fleisch- und Molkereikonzerne zusammen für mehr Treibhausgas-Emissionen verantwortlich als jeweils die drei größten Ölkonzerne. Die Hälfte der dabei untersuchten Konzerne berichtet nicht über ihre Emissionen oder klammert die ihrer Lieferketten aus. Auch die neue Studie „Milking the Planet“ wirft kein gutes Licht auf die Milchindustrie. In Europa ist die Fleisch- und Milchproduktion für mehr Treibhausgasemissionen verantwortlich als der gesamte Verkehrssektor. 

Industrielle Massentierhaltung steht berühmten Klimakillern wie Ölkonzernen also um wenig nach. Während die Ölindustrie allerdings wenigstens öffentlichem Druck ausgesetzt ist, wird über die Klimaschädlichkeit der großen Fleisch- und Milch-Produzenten immer noch häufig geschwiegen – leider auch in der neuen EU-Strategie.

Welche CO2-Bilanz tierisches Essen im Vergleich zu pflanzlichem hat, liest du hier. Besonders ins Gewicht fallen dabei Methan-Ausstöße der Tiere bei der Verdauung, Rodungen für Weideflächen und die Futterproduktion.

Importiertes Soja fürs heimische Fleisch 

Soja-Konsum ist eigentlich als beliebtes Argument gegen Veganismus bekannt. Problematisch für die Umwelt wird die berüchtigte Bohne aber erst durch die Fleischindustrie. 33 Millionen Tonnen Soja importiert die EU im Jahr. Rund 80% davon landen aber nicht als Tofu-Burger auf dem Teller, sondern als Sojaschrot im Tierfuttertrog. Die Hälfte dieser Importe kommt aus den USA, 37% aus Brasilien. 2019 haben sich die Sojaimporte aus den Vereinigten Staaten im Vergleich zum Vorjahr sogar mehr als verdoppelt und sind um 112% gestiegen

Was heißt das für die Klimaschutz-Ambitionen der EU?

Der Sojaanbau in Lateinamerika ist der größte Treiber der Zerstörung des Regenwalds. Um die explodierende Nachfrage zu bedienen, werden immer mehr Waldflächen zu Nutzflächen für Monokulturen. Das wirkt sich verheerend auf die Artenvielfalt aus und führt vor Ort zu bedrohlicher Wasserknappheit.

Nun setzt sich die „Vom Hof auf den Tisch“-Initiative der EU die „Verringerung der Nährstoffverluste um mindestens 50 % unter Vermeidung rückläufiger Bodenfruchtbarkeit“ zum Ziel. Dass der Soja-Hunger der Massentierhaltung einen Löwenanteil dieses Problems verursacht, wird aber leider nicht erwähnt. 

Aber in Österreich ist eh alles besser – oder?

Die gute Nachricht: Die Hälfte unserer Sojaernte geht direkt in die Lebensmittelproduktion. Außerdem liefern wir rund 8 % der EU-Ernte – und das mit nur 2% der Ackerfläche. Österreich gehört damit zu den EU-weiten Vorreitern.

Die schlechte Nachricht: Für unsere Soja-Verarbeitung können wir uns im EU-Vergleich zwar auf die Schulter klopfen, unser Fleischkonsum ist dagegen bedenklich. ÖsterreicherInnen essen sogar dreimal mehr Fleisch als empfohlen. Dafür importieren wir jedes Jahr eine halbe Million Tonnen Soja. 

Dabei wäre es in Österreich nicht so schwierig, komplett auf Sojaimporte zu verzichten. Laut einer Studie des Forschungsinstituts für Biologischen Landbau müssten wir dafür nur ein Fünftel weniger Fleisch essen. Mit der freiwerdenden Ackerfläche könnten wir den Futterbedarf vollständig aus heimischem Anbau decken.  

Und jetzt?

Nochmal eine gute Nachricht: Bis 29. Juni kannst du gleich zwei Volksbegehren unterschreiben, die sich gegen Massentierhaltung und für Klimaschutz einsetzen: das Tierschutzvolksbegehren und das Klimavolksbegehren. Das geht in jedem Gemeinde- und Bezirksamt oder online mit deiner Handysignatur.

Und zur Erinnerung, ein Fünftel weniger Fleischkonsum würde Sojaimporte unnötig machen. Wir essen in Österreich dreimal zu viel Fleisch. Was gibt’s bei dir als nächstes zu Mittag?

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