"Smart" GlASSes: Wie Frauen zu Ware und Migrant:innen zu Zielen gemacht werden

Du sitzt in der U-Bahn auf den Weg zu einer Freundin. Ein Mann spricht dich an, fragt dich nach dem Weg. Vielleicht flirtet er auch mit dir oder versucht es. Du vergisst recht schnell diese Alltagsbegegnung. Tage später spült dir dein Algorithmus ein Video von genau diesem Moment rein. Allerdings aus der Perspektive dieses - wie sich nun zeigt - Weirdos.
Schlagartig wird dir bewusst: Du wurdest heimlich gefilmt. Das Video von dir geht viral. Die Kommentare sind voller Männer die deine Reaktion und dein Aussehen kommentieren, dich nach deiner Attraktivität bewerten und dich sexualisieren. Auch gewaltverherrlichende Kommentare liest du.
Sogenannte "Smart" Glasses werden uns als das nächste große Luxus-Tech-Ding verkauft. Doch eingebaute Kameras und KI eröffnen neue Möglichkeiten für Überwachung und digitale Gewalt.
Besonders Frauen bekommen das zu spüren. Immer mehr Accounts - sie nennen sich selber "Dating Coaches" (lol) - nutzen die Brillen, um Frauen in der Öffentlichkeit heimlich zu filmen, ihre Reaktionen ins Netz zu stellen und sie vor einem Publikum zu sexualisieren und zu demütigen. Ihr Nein, ihr Unwohlsein, ihr Gesicht: alles wird zu Content.
Vom Male Gaze zur staatlichen Überwachung
Dass Männer Frauen filmen und ihre Bilder für sich nutzen, ist nicht neu. Aber was, wenn die Kamera kaum erkennbar direkt im Gesicht sitzt? Wenn man praktisch gar keine Chance mehr hat, die Aufnahme zu bemerken. Der Male Gaze bekommt damit eine ganz neue Ebene.
Es geht auch längst nicht nur um übergriffige Männer und ihre Social-Media-Accounts. Das US-Heimatschutzministerium investiert Millionen in die Entwicklung spezieller Brillen für ICE. Das ist jene Behörde, die Menschen jagt, festnimmt und abschiebt. Die geplante Technologie soll mithilfe von KI Menschen identifizieren können. ICE nutzt bereits Gesichtserkennung bei Einsätzen im Feld. Smart Glasses könnten diese Überwachung auf ein neues Level heben.
Was bedeutet es, wenn Behörden Menschen auf der Straße, vor Schulen oder bei Protesten identifizieren können?
Über all diese Fragen sprechen Yasmin Maatouk und Jean-Philippe Kindler in der neuen Folge ZÜNDSTOFF. Über Gaffer-Brillen, den Male Gaze, staatliche Überwachung und die Frage, wie viel Kontrolle wir über unser eigenes Leben verlieren, während uns Konzerne den nächsten menschenfeindlichen Bullshit als Fortschritt verkaufen. Hört jetzt rein!
Seid dabei, wenn wir mit ZÜNDSTOFF wieder Live auf der Bühne in der Kulisse Wien sind. Der nächste Termin ist am 2. November mit Special Guests: Ingrid Brodnig und Chrsitl Clear. Tickets gibts es hier!
Oder als Audio-Podcast auf allen gängigen Podcast Plattformen:
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