Morgenmoment.
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/ 1. Mai 2020

Guten Morgen,

Es ist schon etwas seltsam, wenn man beim Finanzinvestor BlackRock nachschaut, womit der sein Geld verdient, und die Frage stellt, warum ausgerechnet diese Firma nun die EU-Kommission in Klimaschutzfragen berät. Eher schwarz sehen Expertinnen für eine baldige bessere Bezahlung Menschen mit systemrelevanten Berufen, die vor allem von Frauen gemacht werden. Ist dir das zu düster? Dann schnell zum Cello ganz nach unten vorscrollen. Ein Morgenmoment von Barbara Blaha.

#1 Möchtest du das teilen?

Am Montag haben so gut wie alle Läden wieder offen. Nach wochenlanger Einkaufssperre werden viele den Einkaufsbummel nachholen. Bevor du dir demnächst wieder ein T-Shirt um drei Euro gönnst, haben wir Anna Laura Kummer, der Gründerin eines Fair Fashion Modelabels gefragt, was so schlimm ist, an einem T-Shirt, dass nur einen Sommer lang hält und woran man faire Mode eigentlich erkennt. Sie sagt: "Das nachhaltigste Kleidungsstück ist das, das sich bereits in unserem Kleiderschrank befindet."

#2 Zitat des Tages (mit Lesetipp)

Betrifft Corona Frauen wie Männer gleichermaßen? Nein, sagt die Philosophin Patricia Purtschert im Gespräch mit dem Magazin REPUBLIK. (Und auch eine neue Studie gibt ihr da Recht.) Corona teilt die Welt: "In den Köpfen vieler Menschen gibt es diese Koppelung von Expertise und Männlichkeit auf der einen Seite und die starke Verbindung von Weiblichkeit und Fürsorge­arbeit auf der anderen Seite." Diese Teilung hat handfeste ökonomische Folgen. In den Gesundheitsberufen sind vor allem Frauen tätig, die Bezahlung bleibt trotz hohem Risiko für die Gesundheit unverändert mies. "Man erkennt zwar, dass sie überlebens­wichtige Arbeit machen. Gleichzeitig wird mit großer Selbst­verständlichkeit davon ausgegangen, dass diese Arbeit schon irgendwie erledigt wird, auch unter enormem Druck."

#3 Hast du das gesehen?

Die EU-Kommission sucht Beratung: Wie können grüne Investitionen gelingen als Teil der Strategie zur Bewältigung des Klimawandels. Den Zuschlag erhalten hat der größte Investor der Welt: BlackRock. Das Problem: BlackRock hält große Anteile an Öl- und Gaskonzernen wie Shell, RWE oder Total und verdient daran ausgezeichnet. Europaweit regt sich nun Widerstand gegen die Vergabe des Beratungsvertrags, die EU-Kommission hält daran aber fest.

Der amerikanische Finanzinvestor verwaltet über sechs Billionen Dollar. Mit dem Geld hält BlackRock Aktien und ist Großaktionär bei Apple, Microsoft, Facebook, McDonald's oder Siemens. BlackRocks Einfluss geht jedoch weit über Unternehmensbeteiligungen hinaus. Der Investor berät Notenbanken und FinanzministerInnen, und nun auch die EU-Kommission. Eine aufschlussreiche Dokumentation über den "stillen Riesen" der Finanzwelt ist derzeit auf Arte zu sehen.

#4 Besser geht doch

In Österreich sind die Verhandlungen um die Rettung der AUA, eine Tochterfirma der Lufthansa, im vollen Gange. 767 Millionen Euro will der deutsche Mutterkonzern, um den Standort in Wien zu halten. Ob die Republik sich dafür an der Fluglinie beteiligt, ist offen. Fluglinien kämpfen weltweit mit großen Schwierigkeiten, Frankreich hat nun angekündigt, die Zahlung von Staatshilfen an die Air France an konkrete Klimaziele zu binden. So muss Air France die CO2-Emissionen, die es durch Inlandsflüge verursacht, in den kommenden vier Jahren halbieren.

#5 Bonustrack

Wer bin ich und wenn ja, wie viele? Jedenfalls genug, um gemeinsam Musik zu machen. Zur Not mit dir selbst, wie diese Künstlerin mit dem Stück "Inspector Gadget für 8 Cellos" vorführt.

Such dir selbst einen Schluss, es muss ein guter sein, muss, muss.

Barbara

 

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