Morgenmoment.
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/ 17. April 2020

Guten Morgen,

eine kurze Arbeitswoche kommt heute an ihr Ende. Kein Ende in Sicht ist für berufstätige Eltern, die neben Homeoffice jetzt auch eine Schule betreiben. Und einen Kinderanimationsklub. Das hält manche Politiker nicht davon ab, über sie herzuziehen. Ein Morgenmoment von Barbara Blaha.

#1 Möchtest du das teilen?

Corona stellt die Europäische Union erneut auf die Probe. Wochenlang wurde auf europäischer Ebene um eine gemeinsame Vorgehensweise gerungen. Einigen sich die EU-Staaten nicht bald auf gemeinsame Corona-Bonds droht den südlichen Ländern ein Desaster, meint Wirtschaftsautorin Ulrike Herrmann im MOMENT-Gespräch. Hartnäckig hält sich der Irrtum, die gemeinsame Aufnahme von Krediten würde Österreich real etwas kosten. Die unsolidarische Haltung von Ländern wie Österreich gefährde letztlich den Euro und die EU als ganzes - mit verheerenden Folgen für alle.

#2 Grafik des Tages

Der Härtefonds für Familien, wo zumindest ein Elternteil durch Corona seinen Job verloren hat, reicht hinten und vorne nicht. Berechnungen des Momentum Instituts zeigen, dass nicht einmal annähernd alle anspruchsberechtigten Familien eine Zahlung erhalten werden können. Ansuchen können fast 140.000 Menschen, die Einmalzahlungen von 1.200 Euro reicht aber nur für 25.000 Menschen, dann ist das Geld aus dem Fonds erschöpft.

#3 Lesetipp

Wann, wenn nicht jetzt, ist die Zeit für neue Gesellschaftsentwürfe, vielleicht sogar Utopien? Eben, hat sich eine Runde engagierter WissenschaftlerInnen, PublizistInnen und NachdenkerInnen gedacht und flugs laden sie auf umbruch.at ein, gemeinsam ein Gespräch zu beginnen: Was können wir aus dem Jetzt ins Danach “hinüber” retten, was muss sich wieder und was soll sich nun endlich ändern? Wie wollen, sollen und können wir zukünftig arbeiten, wohnen, lernen, kommunizieren, einkaufen, leben und lieben? Was können wir über uns lernen? Reinlesen lohnt sich!

#4 Zitat des Tages

Deutschland holt 50 geflüchtete Kinder aus den griechischen Lagern, schickt aber gleichzeitig Charterflüge über geschlossene Grenzen um 80.000 ErntehelferInnen ins Land zu bringen. Eine Frage der Prioritäten, schreibt Margarete Stokowski im SPIEGEL.

"Die Regierung muss entscheiden, wer vor dem Verrotten gerettet werden soll: die geflüchteten Menschen an den Außengrenzen der Europäischen Union oder der deutsche Spargel. Da wird nicht lange gefackelt, natürlich wird der Spargel gerettet, was denn sonst. Es ist keine Frage von "entweder ... oder", aber offensichtlich eine Frage von Prioritäten der Zumutbarkeit."

Flüchtlingshilfeorganisationen hatten dafür gekämpft, zumindest 178 akut gefährdete Kinder mit Vorerkrankungen aus den Lagern zu retten. Das fand Deutschland unzumutbar. Zur Erinnerung: Österreich rettet kein einziges Kind. Mittlerweile ist einer der eingeflogenen rumänischen Ernetehelfer an Covid19 verstorben. Infiziert hat er sich in Deutschland.

#5 Hast du das gesehen?

Banksy, der bekannte britische Künstler arbeitet derzeit ebenfalls im Homeoffice. Das schaut dann so aus:

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

. . My wife hates it when I work from home.

Ein Beitrag geteilt von Banksy (@banksy) am

Seine Frau, so der Künstler auf Instagram, sei davon nur mäßig begeistert.

#6 Tweet des Tages

Der ehemalige ÖVP-Wien Chef Manfred Jurazcka lässt Eltern wissen, was er eigentlich von ihnen hält: Eine faule Bande, die ihre Kinder am liebsten 24 Stunden am Tag in einer Kinderbetreuungsstätte abgeben würde. Irgendwie scheint an ihm vorübergegangen zu sein, dass im Moment gut 98 Prozent aller - vor Corona betreuten - Kinder aktuell ihren Kindergarten oder ihren Hort nicht besuchen. Ihre berufstätigen Eltern also lieber nachts und frühmorgens das reinarbeiten, was sich neben der Kinderbetreuung sonst einfach nicht ausgeht. Viele Eltern berichten, dass sie dieser Zustand, dessen Ende völlig ungeklärt ist, an das Ende ihrer Kräfte bringt. Sie machen trotzdem weiter - weil sie ihre Kinder nicht gefährden wollen. Statt also von seinen Parteikollegen auf Bundesebene rasch einen Fahrplan oder zumindest Klarheit einzufordern, haut er auf die Eltern hin, die aktuell Außergewöhnliches leisten.

# Bonustrack

Erinnert ihr euch noch, wie wir in diesem Land über Menschen mit Migrationshintergrund sprechen? Sie gehören nicht hierher, passen nicht zu uns, sind fremd und werden es auch bleiben, insgesamt: Irgendwie gefährlich. Genau diese Menschen arbeiten in systemrelevanten Berufen, reinigen das Krankenhaus, schlichten Lebensmittel, liefern Medikamente. Dieses Video aus Großbritannien zeigt sie und fordert ein: Vergesst uns nicht - wenn die Zeiten wieder ruhiger werden.

So, jetzt mal Wochenende.

Barbara

 

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